Mittwoch, 10. Juni 2009

Ich empfehle Ihnen in Zukunft vermehrt Produkte der sympatischen Firma Ramseier zu konsumieren. Beispielsweise den feinen Burehöfler.


Sonntag, 7. Juni 2009

He du...

"We du Wätter wärsch, wo würdsch rägne?"

Freitag, 29. Mai 2009

Auferstehung

Nach eine Woche der Trauer (hier mein Mittel zur Überwindung der schmerzvollen Niederlage) gibt es neue Erkenntnisse:
- Das allgemein verbreitete Gerücht, dass die weiblichen Artgenossinnen mit genügend Alkohol hübscher werden ist leider falsch. Es handet sich dabei um einen grundlegenden Kausalzusammenhang, der falsch interpretiert. Nämlich ist es eigentlich so, dass die Weiblein im Sommer weniger Stoff tragen, dadurch für die Männlein interessanter werden; Diese jedoch im Sommer mehr Bier trinken und deshalb entstand eben das falsche Volksdenken.
- An Studentenpartys hats vor allem Würscht.
- "Jesus sprach zu den Hebräern, passt auf mit dem Aebi Mäher, nehmt lieber den Rapid, da kommt ihr doppelt so wiit"
- Realistische Einschätzungen zur Fussballfan Diskussion in den gewaltgeilen Medien entnehmen Sie bitte diesem Blog und diesem Interview.

Donnerstag, 28. Mai 2009

Das Dazwischen III

Vom Akamwesi-Hostel in Wandegeya zu Fuss zur Faculty of Social Sciences der Makerere: Hier gehts zur bildlichen Dokumentation meines täglichen Uniwegs.

Das Dazwischen I / Das Dazwischen II

Weitergehen

Urech's Koch-, Studier-, Lese- und Schreibstudio.

Gestern Morgen ist mein Austausch an der Makerere zu Ende gegangen. Die letzte Prüfung hat stattgefunden, das letzte Mal sass ich nach getaner Arbeit mit meinen Mitstudierenden zusammen, trank ein Tee und diskutierte übers Vergangene und Kommende. Die beiden Wochen waren recht intensiv, fanden doch in kurzen Abständen sechs Prüfungen statt. Und ich bin froh, dass es vorbei ist, fühle mich erleichtert, zugleich aber etwas leer, etwas müde, etwas nachdenklich. Das Semester ist rasch vorübergegangen, die vier Monate in Uganda sind buchstäblich an mir vorbeigeflogen. Und doch war diese Zeit an Substanz reicher als alles je zuvor erlebte. Uganda, die Makerere, meine Mitbewohner und Mitstudierenden werden Spuren hinterlassen in mir. Afrika ist mir, trotz all den Unannehmlichkeiten, trotz all der Missstände und Unbegreiflichkeiten, ans Herz gewachsen. Ich werde wiederkommen.

Nun geht es weiter, nach Ruanda am Samstag, zurück dann nach Kampala, wo die meisten meiner neugewonnenen Freunde bereits abgereist sein werden. Ich gehe zur Arbeit, schreibe, bereite mich aufs Englisch-Diplom vor. Ich esse – stets das Gleiche, schaue mir Filme an, besuche Nachbarn, treffe mich zum Billardspielen. Ich lese, trinke hin und wieder ein Nile-Bier und warte auf meinen Besuch. Moni kommt am 17., dann geht's alsbald nach Kenia, ans Meer und zu den Löwen, Giraffen und Elefanten.

Und schliesslich, am 24. Juli genauer, zurück in die Schweiz. Darauf freue ich mich. Auf die Familie, die Freunde, auf die Wälder, die Berge und Emmentaler Hügel. Auf die langen Sommerabende an einem Fluss oder See, aufs Jassen und Schnäuzlen, auf den Rotwein, die tägliche NZZ im Briefkasten, das schnelle Internet, die Waschmaschine, die Möglichkeiten einer modernen Küche. Auf Rivella, kernig-schweizerisches Brot, auf Pizza und Spinat. Ich freue mich auf unsere Sprache, Gespräche in Schweizerdeutsch, auf kulturelles Verständnis und das Leben innerhalb einer Welt von Normen, die man zwar nicht immer begrüsst, aber eben kennt, verstehen und lesen kann.

Es ist gut, nachhause zu gehen. Und es wird gut sein, wieder aufzubrechen.

Dienstag, 26. Mai 2009

Reise durch das Auge der Geschichte

Literaturtage in Solothurn.

Ich stehe auf dem Kronenplatz am Rande einer kleinen Menschenansammlung und verfolge mit halbem Ohr eine anlässlich der Literaturtage gehaltene öffentliche Lesung eines mir unbekannten Schriftstellers. Plötzlich gewahre ich aus den Augenwinkeln eine Gestalt näherkommen, kurz innehalten - ein hochgewachsener Mann mittleren Alters mit braungebranntem Gesicht, umrahmt von graumeliertem, unordentlichem Haar; um den Hals trägt er eine unauffällige Spiegelreflexkamera – dann seinen Weg fortsetzen, die Gasse hoch in Richtung der Kirche. Ich erkenne ihn sofort. Kurzerhand beschliesse ich, ihm zu folgen. Ich stelle mir vor, diese Szene könnte irgendwo anders stattfinden, in einer schmalen dunklen Gasse in einem Stadtviertel Bagdads,  auf einer staubigen Strasse im kargen Ödland Afghanistans, und sein Schritt wäre dort wie hier, weich federnd und von ruhiger Gelassenheit und gleichzeitig kraftvoller Ausdruck angespannter Geistes- und Sinnesgegenwart. 

Auf Höhe der St. Ursen-Kirche biegt er links ab und betritt ein Hotel; ich folge ihm ins luxuriöse Innere des Gebäudes in der vagen Hoffnung, er finde sich dort zu einer kurzen Kaffeepause ein und böte mir die Gelegenheit, ihn anzusprechen. Doch meine Detektiv-Maus-Verfolgungsjagd findet ein jähes Ende, als er den hinteren Teil des Hotels ansteuert und in den Tiefen der Gänge des Gästezimmertraktes verschwindet.

Kurze Zeit später: Konzentriert sitze ich im Saal des Landhauses, wo eben jener Mann - Daniel Schwartz, bis dahin vornehmlich für seine Tätigkeit als Fotograf bekannt - in seinem neuesten Selbstentwurf als Autor sein Erstlingswerk „Schnee in Samarkand“ einem zahlreich erschienenen Publikum vorstellt.

Das Buch umfasst stolze tausend Seiten und ist das Ergebnis jahrelanger Recherchen über Geschichte, Geographie und Gegenwart Eurasiens, vom kaspischen Meer bis zur westchinesischen Provinz Xinjiang, gemischt mit Erfahrungsberichten aus unzähligen Reisen in diese Geburtsstätte der Globalisierung, wie Schwartz sie nennt, in dieses Reich Jahrtausende alter, sich überlagernder Geschichte, deren Kenntnis als Werkzeug dienen könne zum Verständnis der heutigen Welt.

Untypisch für einen Fotografen, packt Daniel Schwartz zuallererst, noch vor seiner Fotoausrüstung, die Bücher ein, die er auf seiner bevorstehenden Reise lesen will. Von Herodot bis Kapuscinski finden sich alle möglichen Zeitzeugnisse und Exemplare historischer Reiseliteratur in seiner Bibliothek, sich selbst bezeichnet er augenzwinkernd als „übergeschnappten Leser“.

Er recherchiere, um nicht zu viele, sondern relevante Bilder zu machen; ob und wie dies Daniel Schwartz gelingt, lässt sich bis zum 14. Juni im Zürcher Helmhaus in der Fotoausstellung „Travelling through the eye of history – Ansichten aus dem Hinterland der Kriege“ beurteilen. Sehenswert!

Donnerstag, 21. Mai 2009

F


I



C



K



E



N

Freitag, 15. Mai 2009

Sommerhit

bread and butter-weasel and radio
Täglich ein Dutzend Mal gehört in Kampala: der ugandische Sommerhit 2009.

Dienstag, 12. Mai 2009

Wer ist denn Astrid?




Im Wettlauf mit der Zeit düst Astrid wie eine weisse Marion Jones an Stunden und Tagen vorbei - und schwupps liegen auch schon wieder Wochen zwischen ihrem neusten Anlauf, ein Dachs zu werden, und dem gedenkwürdigen jetzigen Moment, in dem sie im Begriff ist, dies schwarz auf verpixeltem Weiss in die virtuelle Bloggeschichte einzutätowieren. 
Kürzlich auf Besuch bei den Grosseltern, knallte Astrid unerwartet und ungebremst in ihre Kindheit hinein, die da verstaubt und vergessen auf Grossmamas Büchergestell vor sich hingammelte - die Kindheit in Form von Geschichten und Wesen, die Astrids Welt einst zahlreich und lebhaft bevölkert hatten, sich während ihres Heranwachsens aber mehr und mehr verdrängt sahen in die hintersten Winkel des Astrid-Universums. Und plötzlich standen sie wieder vor ihr, Petterson und Findus, die Füchse von Tschironupp, Tomte Tummetott, Julian mit dem Honigschatz, Pippi, Ronja, der starke Wanja, Mio und all die anderen, Riesen und Zwerge, Feen und Zauberer Wackelzahns, die Hotzenplotze und die frechen Michels,  und weder die räumliche noch die zeitliche Distanz hatten der früheren Vertrautheit etwas anhaben können. Noch immer, erkennt Astrid, sind die Gestalten im Alltag präsent, meist unbemerkt, oft überlagert von Pflichten und Nachrichten und Sorgen und Welt, pieksen aber, hie und da, in die grosse Luftblase von Grübeln und Lebensgestaltung, dass sie platze, Platz mache fürs sorglose Blumenpflücken, auf Bäume klettern, des Nachts durch die verschlafene Stadt rennen, laute Singen, noch lautere Lachen, fragen, Nicht-Wissen eingestehen, Platz für Naivität und Staunen, Losfahren ohne Ziel und Rückkehr, Schneeball- und Unsinnschlachten, für Faulheit und Götterspeise. Manchmal. Und anstelle eines Biers heute: ein Glas Honigmilch, bitte. 

Im Herbst zieht Astrid nach Lausanne. Weiss irgendjemand irgendjemanden irgendwie irgendwoHNEN, dort?




Samstag, 9. Mai 2009

Erkenntnisse

aus dem Schlachthof Basel:
-Das Leben der Schweine endet in einer CO2 - Trommel wo Sie während einer Minute und zwanzig Sekunden friedlich einschlafen. Davor gibt es noch ein kurzes Gemögg, aber die Schweine möggen ja sowieso andauernd und man weiss also nicht so genau ob sie dies dem bevorstehenden Tod wegen tun. Wenn sie dann tot und ausgeblutet sind gehen sie noch etwas rutschbähnle und werden alsdann am Förderband aufgehängt und werden feinsäuberlich gemetzget. Einer hat beispielsweise die schöne Aufgabe jeweils die Augen hinauszuschneiden. Ein anderer darf das Schwein in der Mitte hindurch zersägen. Weiter gehts zur Bell wo dann Ihr Filet, Kotelett, Aufschnitt, Salami und ähnliches hergestellt wird; Als Schwein unkennbar natürlich. Es werden sage und schreibe 95% des Schlachtgewichts des Schweins verarbeitet. Sie kennen das ja; Aus den Knochen gibt es Gumibärli für Vegetarier, aus den Enzymen der Darmwand Medikamente für Veganer und so. Allgemein erscheint die Verarbeitung des Söulis etwas humaner als diejenige der Poulets.
- Das Leben der Schweinedärme übrigens ist nicht in Basel zu Ende, jedenfalls vorläufig nicht. Denn sie werden gesäubert, gesalzen und nach China verschifft. Dort nach Grösse sortiert um alsbald wieder in Basel zu landen und dann als Hülle für das Fleisch ihrer älteren Artgenossen zu dienen (also als Schwiinsbratwursthaut). Für Cervelats benützt man wie ihnen bekannt Rinderdärme und für die Wienerli Schafsdärme (aus Afghanistan und Irak vornehmlich).
- Übrigens werden Bioschweine genau gleich geschlachtet wie Prix-Garantie Schweine.
- Und das Blut des Schlachthofes geht in die Kanalisation in Basel, da dort das Abwasser der chemischen Industrie wegen zu wenig Protein für die Kläranlage enthält.
- Also ghet auch das Biosäuliblut in die Kläranalge; der Klärschlamm darf aber nicht zu Düngezwecken verwendet werden. Da hört dann eben der Kreislauf etwas auf Kreislauf zu sein, aber wer will schon Kreisläufe? Da kommt man ja nie weiter.

Freitag, 8. Mai 2009

Ein wenig Werbung hier wird mir bestimmt nicht verübelt.
Deshalb: Am Dienstag, 12. Mai empfehle ich den Kauf der NZZ mit NZZcampus-Magazin als Beilage. Da gibt's Näheres zum galanten Herrn auf obigem Bild.

Donnerstag, 7. Mai 2009

Als wir noch jung waren haben wir jeweils den tausendsten oder zweitausendsten Besucher geehrt. Man wird älter, was nicht zuletzt ersichtlich wird wenn man bedenkt, dass es diesmal der 20'000ste ist, welcher sich doch gerne in den Kommentaren melden möchte.
Man sieht das übrigens rechts unten, da gibt es so einen Counter. Nach ersten Hochrechnungen wird das Ereignis am Wochenende über die Bühne gehen (wobei der Wettereinfluss etwas schwierig zu beziffern ist). Jedenfalls gibt es eine Postkarte aus fernen Gefilden zu gewinnen.

Ihnen, werte Leserschaft, auf jeden Fall herzlichen Dank fürs Lesen.

Matchbericht

Agro Züri - Capuns, Sporthalle Irchel, 6.5.2009

Gestern Abend stand das zweitletzte Meisterschaftsspiel von "Agro Züri" auf dem Programm. Die Kämpfertruppe um Captain Berger "di-tschö" Nici war durch einige Missverständise in der Personalplanung auf beeindruckende 10 Mann angewachsen. Im Tor stand Iten "Stradivari" Adi, der an besagtem Abend den Schisser hatte und es deshalb vorzog das Runde nicht ins Eckige zu lassen (statt selbst auf dem Runden zu sitzen oder so). In der ersten Linie dann spielten der heissblütige Tessiner Barenco "Dynamit" Alex (Dynamit hiess übrigens seine heiss geliebte Kuh welche leider kürzlich verstarb. Sie war mal unter den besten BrownSwiss Rindern Europas!) zusammen mit dem von den Maschinenbauern importierten Weissnichtwas Beni und dem ollen Pecoud Alix. Im zweiten Block spielten der Captain, Berger "Di-tschö" Nicolas sowie der legendäre Einhänder Tombez "Gräbli" Gregoire (Gräbli ist übrigens die einzige Bar im Niederdörfli welche dann jeweils noch offen ist wenn normale Menschen schon lange schlafen) und dann noch der Stammtorhüter und Schiedsrichterverantwortliche Brechbühl "Ferdi" Andi. Schliesslich gab es noch einen dritten Block, wir waren ja zehn Leute: Tschumi "Fätze - Brähme" Sämi, Lässer "McDreamy" Simon und Berger "kleine Schwester" Florence.
Das Spiel beginnt. Agro Züri muss unbedingt gewinnen, denn nur so besteht noch eine kleine Chance aufs Weiterkommen. Leider hat man gegen einen der schlechtesten Gegner die höchste Schlappe in der Vereinsgeschichte einstecken müssen, sonst stünde man in den Viertelfinals. Der Gegner, Capuns oder sowas, war technisch und spielerisch überlege, was sich bereits in den Anfangsminuten zeigte. Doch dann war es Ferdi, welcher zum ersten mal scorte. Dadurch das er sich ein Equipment von einem ehemaligen Europacupsieger und NLA-Spieler zusammengeschnorrt hat steht er jeweils unter einem besonderen Druck. Dann aber ging es bergab mit den Agronomen von Agro Züri. Drei Tore innert kurzer Zeit in den Kasten von Stradivari war zu viel. Glücklicherweise konnten die Gegner ihre weiteren Chancen nicht nützen und Agro züri fasste wieder etwas Fuss. Ein Tor von Dynamit und eines von Alix brachten den Ausgleich. So kam für die Pause die Hoffnung zurück, so dass sogar die Schnupfdose in der Tasche blieb. Man diskutierte noch kurz über Leute die auf Exkursionen fehlen, sich dann entschuldigen und die Antwort erhalten sie hätten aber unterschrieben...Jedenfalls kassierte Agro Züri kurz nach der Pause wieder einen Treffer nach einem schön ausgeführten Freistoss. Das Spiel wurde nun etwas gehässiger, nachdem die gegnerische Stockschlagrate der agro zürischen ebenbürtig wurde. Der Gegner wusste sich dann kaum mehr zu bremsen, was in einem etwas läuteren Ausschrei des erfahrenen Militärs Brähme endete. Mc Dreamy preschte seine Teamkollegen nochmals vor, auf dem Platz in dem er jeden Ball zu hilen versuchte, sei dies mit einer Hechtrolle oder anderen athletischen Einlagen, und neben dem Platz in seinem Rheintaler Dialekt "Kommet, its moaun mr no einisch!". Nun, es wirkte auf jeden Fall. Zwei mal Dynamit und einmal Ferdi wussten das Score auf sechs zu vier anzuheben und schliesslich war es noch einmal Ferdi der auf das sieben zu vier erhöhte. Dann kamen noch zwei unbedeutende Tore des Gegners zum sechs zu sieben, was dann auch gleich Endstand war. Mit viel Kampfgeist und wenig Technik haben die Agronomen wiedermal zugeschlagen. Hätte wir nur die in den rosa Leibchen auch geschlagen...

Agro züri rulez!

Sonntag, 3. Mai 2009

Festivalsommer

Zuzeiten wo man sich überlegt an welchem Festival man diesen Sommer teilnehmen mag, schwelge ich gerne mal in Erinnerungen...
...Konzerte, die super waren: Manu Chao, Rock'oz Arenes Avenches (bis in die Extase); Trummer, Natural Openair Kiental (Träumen in den Bergen); La Vela Puerca, Los recitales de Patricia Montevideo (eine Stadt wird loco); Muse, Openair St.Gallen; Oasis und die Toten Hosen, Gurten Bern (legendär); Archive, Southside Festival irgendwo in Deutschland (Wer geht schon Muse schauen?); Polar, Woodrock Moosegg (Weltklasse, Extase unter Bäumen, Träumen in den Hügeln); The Notwist, Bad Bonn Chilbi Düdingen; Torch, Bärn Jam II. To be completed.
...Konzerte, die ich gerne erlebt hätte: Pearl Jam Live at Benoraya Hall (man höre die Live CD); Beck's legendäres Konzert am Sonntag Abend am Openair St.Gallen; Radiohead das erste Mal am Southside; Bob Dylan auf dem Gurten; so ein Konzert von früher als man das ganze Mobiliar verschlug, zum Beispiel der Beatles; Pilsen Rock in Durazno (UY) als es in der ganzen Stadt kein Essen und Trinken mehr gab vor lauter Menschen; Manu Chao in Paris als Radio Bemba aufgenommen wurde; ein Sigur Ros Konzert der Heima Tour auf Island.
Und dann noch einige Events abseits der Bekannten, deren Besuch ich Ihnen wärmstens ans Herz lege: 9.Mai Barstreet-Festival Küssnacht am Rigi; 16.Mai No te va gustar, Cafe Mokka Thun; 20.Mai YB Cupsieger Fest; 22./23. Mai Vorstadt Sounds Zürich; 29.Mai Shantel Moods Zürich und La Vela Puerca, Chur; 5./6. Juni Stolze Openair Zürich.
Geniessen Sie doch den Sommer, es lohnt sich.

Freitag, 1. Mai 2009

Der Supermensch

Wenn man sich auf Reisen in ärmere Länder begibt, trifft man hin und wieder auf den Supermenschen. Er (oder sie) ist die Idealfigur des 21. Jahrhunderts, ein aalglatter Moralist! Er (oder sie... aber belassen wir es von nun an beim er) hat bereits viele Länder bereist, ist jung oder fühlt sich so, lächelt freundlich, wenn man ihn das erste Mal trifft, ist unheimlich tolerant gegenüber allem und jedem, versucht sich hartnäckig und verbissen dem Fremden anzunähern, sich zu integrieren, einzufügen in die tolle Farbigkeit der Welt. Er findet das Andere immer etwas besser als das Heimische, ist nur im Notfall patriotisch gesinnt, ist Optimist oder Zweckoptimist, Träumer und Visionär, Idealist, Pazifist und Humanist und glaubt sowieso stets: Das Gute wird siegen, man muss nur daran glauben und lächeln, Amen! Er haut nie über die Stränge, weil er trotz seiner ewigen Jugendlichkeit zu alt dafür ist, nickt aus Freundlichkeit, auch wenn er anderer Meinung ist und weiss vielleicht selbst nicht genau, welcher Meinung er ist. Er findet, dass der Westen kalt und kapitalistisch, der Süden lebensfroh und menschlich sei, und will sich täglich aufs Neue davon überzeugen, dass Geld nicht glücklich macht. Er ist nicht launisch, nicht böse, nicht pathetisch, nicht vereinnahmend, nicht hämisch. Er verträgt Ironie und scharfen Humor nur schlecht, da sie Leute verletzen und verderben könnten, er findet, man müsse fair, gerecht und nachsichtig sein. Er lässt sich gerne auf Diskussionen ein, die uns in seichtem, widerspruchs- und wellenlosen Gewässer in den Schlaf singen. Alles was zählt ist schliesslich der Glaube ans Gute.
Weniger gern mag er hingegen Dissonanzen, kleine Risse in der Argumentationsstruktur seiner himmelblauen Welt, unbequeme Fragen, ein Verschwimmen zwischen Schwarz und Weiss, eine Ahnung der Komplexität der Welt.
Ja, es sind deren viele. Der Supermensch ist überall. Und ich mochte ihn stets, früher, dachte: Ach, was für ein guter Kerl! Oder: Oh, ein reines Herz! Heute geht mir der Supermensch an manchen Tagen gehörig auf die Nerven. Dieser farblose Gutmensch, Produkt und Ableitung einer Prinzipiensammlung einer allzu oberflächlichen Moral, erscheint mir manchmal fast wie eine Art neo-religiöser Eiferer, der sich das Diesseits mit dem Weissmalkasten aus dem persönlichen Jenseits zurechtmalt, immer heller, denn der Farbe ist genug vorhanden. Funktionierend nach dem Grundsatz „Gut ist, was gut ist!“ spaziert er also mit freundlichster Miene und völliger Unschuld durch die Welt. Das Resultat? Ein Automatismus, wie soll es anders sein, so lange man sich gut, wertvoll, sozial, moralisch, global, herzlich und rein fühlt. Denn Gutes hat Gutes zur Folge, unabdingbar, unweigerlich.
Ach! Mir sind mittlerweile die schrägen Typen lieber, jene, die halt in ihrer Art spinnen, etwas verrückt sind, nicht linienförmig das allzu schlichte Ideal zu konkurrieren versuchen. Mal über die Stränge schlagen, seine Ratio besiegen. Ein, zwei Bier zu viel, ein derber Witz, eine politisch inkorrekte Bemerkung. Kreativität, Eigensinn, Scharfsinn, echter, also auch die Tragik des Seins tolerierender Humor! Da darf, ja soll man auch mal launisch, wählerisch, abweisend oder schroff sein, soll – ja, genau! - seinen Geist reiten, bis an die Grenzen des eigenen Universums, und weit darüber hinaus. Es lauern Gefahren auf diesem Pfad, jawohl, doch es ist auch der Pfad der genial-eigentümlichen Menschlichkeit, der Musik, deren Töne über die einfache Tonleiter hinausgehen. Ich glaube nicht an den Mensch aus der Retorte, an die scheinbare und in der Scheinbarkeit verheerende Perfektion. Irgendwann wird die Welt sterben, und wir mit ihr. Wenn also die Flut kommt und du weiter betend niederkniest und lächelnd aufs Gute hoffst, dann werde ich es nicht sein, der am andern Ende still dasitzt. Ich werde tanzen, weinen, lächeln, schreien, schweigen, sein und werden...

Uganda, Miscellaneous V

Wenn es regnet... Da der April der regenreichste Monat des ugandischen Jahres ist, hat es in den vergangenen Wochen beinahe jeden Tag geregnet. Trotz der eigentlichen Gewöhnlichkeit dieses Umstandes scheint Regen hier etwas recht ungewöhnliches zu bleiben. Mittlerweile habe ich nämlich gelernt, dass ich bei Regen gar nicht erst an die Uni zu gehen brauche – der Unterricht wird mit Bestimmtheit ausfallen. Erklären kann ich es mir zwar noch immer nicht, aber wenn es regnet, steht Kampala still. Als ob es Regenschirm und Pelerine nicht gäbe scheint jedermann hier fast schon zwanghaft jeglichen Kontakt mit dem (zumindest für mich) erfrischenden Nass zu vermeiden und bleibt entsprechend zu Hause. Oder aber unter einem Unterstand stehen, sodass Kampalas Zentrum bei Regen ein recht amusäntes Bild bietet: Leere Strassen und vollgepackte, vor Regen schützende Unterstände. Da wird gewartet, bis es trocken wird, ganz egal, ob dies nun 10 Minuten oder 2 Stunden dauert.
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Müssiggang im Telefonhäuschen. Durch die Strassen unseres Wandegeya-Quartiers spazierend frage ich mich manchertags: Was machen, denken, tun die da nur? Die Frage betrifft die vielen Leute, die im sogenannten informellen Sektor arbeiten. Und hiervon gibt es wie überall in Afrika unzählig viele: Schuh-, Zeitungs-, Erdnuss-, Bonbon-, Telefonkarten-, Hemden- oder Steckdosenverkäufer, die Security-Leute vor jeder Bank, vor jedem noch so kleinen Supermarkt, die Telefonistinnen, hinter einem kleinen Telefon sitzend auf Kundschaft wartend... Da verweilen sie also geduldig, morgens, nachmittags, abends, betrachten die immer gleiche Szenerie um sie und scheinen dabei, ja tatsächlich, recht zufrieden. Afrikanischer Müssiggang ist, durch die westliche Brille betrachtet, ein recht faszinierendes Phänomen. Gerne würde ich mich manchmal in die Lage derer versetzen, die da entspannt sitzen und in den Tag hinein leben, ohne viel zu tun, ab und zu einen Kunden bedienend, hin und wieder einen Schwatz mit der Nachbarverkäuferin haltend. Was denken sie? Kehrt da nicht alsbald eine riesengrosse Leere ein, ein Nichts aus einfältigem Sein und Dahinleben? Weshalb lesen sie kein Buch (können sie lesen?), weshalb ziehen sie nicht weiter, dorthin, wo es mehr Kundschaft, mehr Profit zu holen gibt? Was sind ihre Träume, Visionen, Wünsche und Sehnsüchte? Was wissen sie über die Welt, übers Andere, was ausserhalb des Quartier, des Landes, der Stadt liegt, über jene, die über ihre Köpfe hinweg ihr Schicksal mitbestimmen? Es ist eine andere Welt, eine andere Kultur. Und ich kann mich ihr nie so recht und gänzlich hingeben, verstehe viel nicht und teils umso weniger, je länger ich hier bin. Doch ob jenes, was ich tue, denn richtiger ist als all das, was ich hier sehe und beobachte, weiss ich nicht. Höher, schneller, weiter ist kaum die Maxime, die die Leute wahrhaftig glücklicher machen wird hier. Oder doch?
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Africa-English. Eigentlich war eines der Hauptmotive meines Austausches in Uganda auch die Verbesserung meines Englischs. Das ist hier etwas schwieriger, als ich mir dies vorgestellt hatte. Da die Ugander und Kenianer mit ihrer Lokalsprache aufgewachsen sind und Englisch erst in der Primarschule lernten, sprechen sie oft ein zwar gutes, nicht jedoch perfektes Englisch. Abschauen bzw. -hören ist deshalb nicht ganz einfach. Zusätzlich glaube ich, dass das afrikanische Englisch grundsätzlich weniger vielfältig und ausgereift ist als das britische, amerikanische etc. Erklären dürfte dies etwa der Umstand, dass Swahili, Luganda etc. relativ praxisnahe Sprachen sind und deshalb über einen anderen, weniger abstrakten und durchaus auch weniger breiten Wortschatz verfügen. Während es zwar eine reiche Fülle an Wörtern gibt um Blumen, das Wetter, das Verhalten einer Person zu beschreiben, fehlen ungegenständliche Ausdrücke teilweise gänzlich. Zwar wird an manchen Stellen sodann die Lokalsprache um gewisse englische Begriffe erweitert, viele der uns bekannten Ausdrücke werden aber kaum oder gar nicht benutzt. Am dominantesten ist der Kontrast dann, wenn man sich hier in Kampala BBC World aus London anhört (oft meine einzige aktuelle und entsprechend hochgeschätzte Informationsquelle der Geschehnisse ausserhalb Ostafrikas).
Nun aber kurz noch zu einer kleinen Geschichte, die in diese Kategorie passt. Das afrikanische Englisch zeichnet sich natürlich auch durch den speziellen afrikanischen Akzent aus. Ich habe hin und wieder noch immer mühe, die Leute zu verstehen. Jedenfalls hat der eine Professor kürzlich mal wieder in einem Anflug philosophischer Kreativität einen kleinen Exkurs über die Unsterblichkeit gewisser Personen in den Unterricht eingeschoben und mich nach seinen Ausführungen gefragt, ob ich denn so eine Person, also einen Unsterblichen, kennen würde. In Englisch nun lautete seine Frage wie folgt: „Do you know someone, sir?“. Liest sich einfach, tönt aber in Afrika etwas anders, als wir uns dies gewohnt sind. „Do you know“, habe ich soweit verstanden, beim „someone, sir“ hatte ich mehr Probleme. In meinen Ohren tönte dies so: „Samonsöaaa“. Samonsöaaa wiederum liegt relativ nahe am Wort „Samosa“, was ein ugandischer Frühstückssnack ist, eine Art triangelförmiges Ravioli mit Gemüse zwischendrin, fritiert und allerorts zu kaufen. Die Frage lautete also, ob ich Samosa kenne, den ugandischen Snack... Merkwürdige Frage, dachte ich, und fragte zurück: „Samosa?“. Naja, das war nun eine ziemlich absurde Situation, und tatsächlich hat das Ganze im Hörsaal auch zu ziemlich viel Amusément geführt. Der unsterbliche Samosa-Snack... Der Zwischenfall hat mir nun einen neuen Übernahmen in der Klasse beschert - naja, ihr werdet's erraten, welchen...
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UCICC. Seit drei Wochen arbeite ich zwei Tage die Woche beim Human Rights Network Uganda, genauer bei dessen Partnerorganisation UCICC, der sich mit den Herausforderungen, Chancen und Problematiken der Aktivität des ICC in Uganda beschäftigt. Und ich freue mich ob der Möglichkeit, die mir da geboten wird. Nebst dem wie überall recht theoretischen Umfeld der Uni ermöglicht mir diese Arbeit nun auch einen Einblick ins Praktische, Unmittelbare. Ich selbst hab nun die Aufgabe, ein Papier zur verzögerten Implementierung der ICC Gesetzesvorlage ins ugandische Recht bzw. die politischen Hintergründe dieser Verzögerung zu verfassen. Internationales Recht ist ein spannendes und enorm wichtiges Studienfeld, dem ich mich nun Schritt für Schritt annähern darf. Insbesondere die Überschneidungsbereiche zwischen lokalem oder nationalen Recht und dem globalen Völkerrecht zeigen sich als komplexe Herausforderungen. Recht und Gerechtigkeit, Wiedergutmachung und Bestrafung, Vergeltung und Verzeihung – all dies ist in Uganda, wo drei ICC-Haftbefehle ausstehend sind, von besonderer Bedeutung. Einen interessanten und lesenswerten Artikel zum Thema hab ich kürzlich auf Spiegel Online gefunden: „Ein gefährlicher Luxus“.
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Practice what you preach. Leider habe ich an der Makerere bisher nur wenige Professoren angetroffen, die mich sachlich überzeugt hätten (menschlich sind mir die meisten hingegen sehr sympathisch). Es gibt aber den einen, den Herrn Charles Bwana, der ist – ich sag es offen und unverhüllt - unter jedem Hund. Der Mann ist nach drei Wochen zum ersten Mal zum Unterricht erschienen, hat vier- oder fünfmal je eine Stunde unterrichtet, dann einen Test durchgeführt. Danach vergingen wiederum drei Wochen, ohne dass der Herr ein einziges Mal aufgetaucht wäre, worauf letzte Woche zwei Stunden unterrichtet wurde, nun steht wieder ein Test an. Sechs oder sieben Unterrichtsstunden bisher. Angesetzt waren drei Stunden die Woche, das Semester hat offiziell am 3. Februar begonnen. Entschuldigt war Bwana nie, sodass wir regelmässig dasassen, Montag, Mittwoch und Freitag, eine halbe Stunde warteten, schliesslich ungetaner Dinge und leicht entnervt nach Hause zurückkehrten. Das Paradoxe an der Sache: Der Mann unterrichtet Ethik. Ethik in internationalen Beziehungen. Und wenn immer er dann, sofern er mal da ist, was jedes Mal einer mittelgrossen Überraschung gleichkommt, über Moral und Ethik und sowieso alles Gute doziert, dann würde ich am liebsten aufstehen und ihn mal ordentlich in den Schwitzkasten nehmen. Ab und zu spät oder abwesend sein ist ertragbar und gehört hier zur universitären Normalität. Aber sein Verhalten, das mittlerweile gar von den afrikanischen Mitstudierenden kritisiert wird, ist eine Frechheit. Wahrscheinlich ist der Mann aber irgendwie mit dem University Dean oder gar mit Museveni selbst verschwägert, sonst wäre der doch auch hier schon lange weg vom Fenster....

Sonntag, 26. April 2009

Ist euch langweilig?

Neulich, also gestern, brätleten wir in unserem schönen Innenhof. Oder präziser ausgedrückt war dann bereits jemand am brätlen und wir fragten scheu, ob es möglich wäre im Nachhinein noch unsere Tierstücke auf den heissen Wald zu legen. Dies wurde uns nicht verwehrt, und so war ich es dann, der im Hof unten das Fleisch und Gemüse brätlete. Da kam also so eine Frau (Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass sie Deutsche war...hahaha. ). Nun jedenfalls beklagte sie sich schrecklich über die Artischocken, welche auf dem Grill lagen. Das ganze in einem ziemlich vorwurfsvollen Ton, zu vorwurfsvoll für meinen Geschmack. Ich hätte dann gerne mit ihr ein wenig diskutiert, ist ja schliesslich sozusagen mein Fach. Nun, sie mochte aber irgendwie nicht diskutieren, weder über ihre Jeans (übrigens ging das ganze nicht um Umweltprobleme sondern "nur" um die schlechten Arbeitsbedingungen und einige Wassergeschichten früherer Jahre) noch über sonstige Angelegenheiten. Nein, sie wollte einfach gerne mich wegen den Artischocken ordentlich blöd anmachen und fertig. Ich meine ja nur. Aber ich stelle mir die Titelfrage schon zwischendurch...

Samstag, 25. April 2009

Mandelas Lungen gegen den Rassismus


Bild hinten von links: Blöchli, Serki, Hagi, Andi, Nils, Moritz; vorne: Laura, Nina, Dimi 
es fehlt: Lunge

Weniger Rassismus, mehr Spass  - 
wer ist wieder dabei? Samstag 16. Mai ab irgendwann vormittags, Details folgen. 



Freitag, 17. April 2009

Wieso der Beni National lieber das Schnurren sein lassen sollte und vielleicht sich nochmals mit dem zweiten Frühling versuchen sollte (Sie erinnern sich?):

Sinngemässe Wiedergaben von Kommentaren am gestrigen Spiel:
"Und jetzt kommt ein neuer Spieler bei YB [ein blonder Spieler wird im Fernsehen gezeigt], es ist nicht Doumbia" Danke. Ich finde es gut wenn Fussballkommentatoren pro Mannschaft einen Auswechselspieler kennen, was dann etwa dem Wissen eines Blick am Abend Lesers entspricht.

"Wölfli hat drei von vier Penalties gehalten, wobei man versucht ist zu sagen, dass er den vierten auch hätte halten müssen!" Geits no?

Entschuldigen Sie, der Rest ist mir entfallen. Wobei eigentlich reicht dies schon. Jedenfalls stellte ich zwischendurch den Ton ab, dem Fernseher zu liebe. Machen Sie sich stark für Andi national, danke.

Mittwoch, 15. April 2009

Hier wird FUSSBALLSACHVERSTAND gross geschrieben

Folgendes E-mail habe ich am heutigen Tag geschickt:

Von: Brechbühl Andreas
Gesendet: Mittwoch, 15. April 2009 13:02
An: Wieland Rafael (VAH)
Betreff: AW:

he, hüt gwinni im fau ds rätsel der woche vom runde leder!

Man beachte insbesondere die Zeit. Nun jedenfalls können sie gerne HIER die Forsetzung der Geschichte verfolgen. Ich war schon immer der Meinung das man tun sollte was man sagt. Danke.

Freitag, 10. April 2009

Wohin also?

Mit jeder zusätzlichen Idee, mit jedem neuen Denkansatz, erweitert sich das Spektrum der Möglichkeiten, der persönliche Horizont, der mehr und mehr Erklärungen zu umschliessen versucht, weiter sich vorwagt ins Zuwider und Dafür, ins Weshalb und Wieso, um schliesslich irgendwann festzustellen, dass all dies vielleicht gut und weise sein mag, viel wahrscheinlicher aber alsbald dort endet, wo es begonnen hat: im Chaos.
Gutes und Böses, Schwarz und Weiss werden eins, scheinen überzugehen ins ewiglich Allesfarbige, und mit jeder Farbe, die du neu entdeckst, wird dein Gesamtbild unleserlicher, unverständlicher, ja geradezu unglaublicher; der Komplexität der Welt lauschend verschlägt es dir die Stimme, es untergräbt dir dein Fundament, stürzt sich wie ein Hagelgewitter über dein behütetes inneres Land, formt um, verändert, und zeichnet alles neu, in neuem Licht, mit neuer, oft unbekannter und ungeahnter Farbvariation.
Wohin also? Irgendwo erhofft sich die tief verankerte Ratio letztlich den entscheidenden Hinweis, die Schablone, die wertend unser inneres Weltbild diktiert, und uns ruhig schlafen lässt. Man muss wohl nicht allzu weit gehen, um all dies zu verstehen, oder besser: nicht zu verstehen. Weit schwieriger jedoch scheint’s, dies alles zu ertragen, ohne zu vergessen, zu akzeptieren, ohne im seichten Triebschlaf der Sinne unterzugehen – und damit alles mit sich zu reissen.

Tagebuch I

7. April 2009
Ich bin der erste, der heute aufsteht. Während ich noch bis vor ein, zwei Jahren ohne Probleme bis Mittag schlafen konnte, wache ich neuerdings immer spätestens um acht Uhr auf – ganz ohne müde zu sein. Das hat entweder mit dem Klima hier zu tun, oder aber mit meinem Alter. Das erste Vierteljahrhundert hab ich ja bald schon hinter mir… Jedenfalls gehe ich schwimmen, ein Morgenschwumm (dieses Wort ist hiermit offiziell erfunden) ist etwas vom besten, was es überhaupt gibt. Wir, zehn Austauschstudenten aus Norwegen, Japan, Korea und der Schweiz sind seit zwei Tagen auf Banda Island, einer kleinen Insel im Viktoriasee, auf der Dominic, ein merkwürdiger, ständig 87prozentiger selbstgebrauter Bananenschnaps trinkender Brite, sein Aussteiger-Dasein auslebt und ein kleines Hotel bewirtschaftet. Gegen Mittag geht’s nach Hause Richtung Kampala, wir werden von einem kleinen Transportschiff mitgenommen. Ich hab einige Vorlesungen verpasst, was jedoch nicht heisst, dass ich etwas verpasst hätte. Gegen Abend treffen wir im kleinen Fischerhafen in der Nähe von Entebbe ein, wo wir auf den Schultern von kräftigen Trägern die 15 Meter bis zum Ufer getragen werden, für 500 Schilling. Ein merkwürdiges Bild. Mit dem Matatu, dem Kleinbus, geht’s dann zurück nach Kampala, Umsteigen im Old Taxi Park, gegen acht Uhr sind wir zurück in Wandegeya, unserem Quartier. Ich esse mal wieder alleine im kleinen Restaurant im Hostel, bin nach der vielen Gesellschaft der letzten Tage froh um die Ruhe. Später dann Champions League, Arsenal und ManU, dazu ein Nile-Bier und Erdnüsse.

8. April 2009
Ich geh morgens um 10 an die Uni, die Vorlesung fällt jedoch ein weiteres Mal aus, sodass ich im International Office im Internet nach Flugverbindungen in die USA suche (Nebenbei: Hätte eigentlich jemand Lust, im August mit mir nach Kalifornien zu reisen?). Neben mir schläft der freundliche Angestellte mit gesenktem Kopf auf der Tischplatte, was er eigentlich fast immer tut, wenn ich hierherkomme. Eine schöne Stelle hat der. Und eine sehr zweifelhafte Arbeitsmoral, was jedoch niemanden zu stören scheint. Am Mittag dann geht’s zur zweiten Vorlesung, während der wir über die anstehenden Verfassungsänderungen in Uganda diskutieren. Museveni ist gerade daran, bei den Präsidentschaftswahlen vom Majorz- zum Proporzsystem umzustellen. Die neueren Umfragewerte lassen vermuten, dass er 2011 kaum mit einem absoluten Mehr der Stimmen rechnen kann. Zudem ist er laut aktueller Verfassung zu alt für eine weitere Kandidatur – auch dies muss geändert werden. Verfassungsänderungen können in Uganda durch eine einfache Mehrheit im Parlament bewirkt werden – keine allzu grosse Hürde für die allmächtige Regierungspartei (NRM). Am Nachmittag habe ich einen wichtigen Termin bei der NGO UCICC (Ugandan Coalition for the International Criminal Court), bei der ich mich für ein Praktikum beworben habe. Ich fahre mit dem Mototaxi („Boda-Boda“) raus nach Ntinda und suche, zusammen mit dem hilfsbereiten Fahrer, über eine Stunde nach der Adresse. Als ich schliesslich am Ort eintreffe, wartet ein netter Herr auf mich, der mich herzlich willkommen heisst. Nach einem kurzen Gespräch bin ich sogleich angestellt, nächsten Mittwoch sollts bereits losgehen. Ich werde mich während ein bis zwei Tagen die Woche mit der Menschenrechtssituation in Uganda befassen, im Spezielle auch mit den Möglichkeiten und Schwierigkeiten des ICC im Zusammenhang mit dem langjährigen Krieg im Norden des Landes (gegen den Rebellenführer Joseph Kony ist seit einiger Zeit ein ICC-Haftbefehl hängig), einige Recherchen durchführen, Berichte verfassen oder ergänzen. Ich freue mich auf die Arbeit, auf diese neue, andere, praktischere Perspektive, auf das Kennenlernen der Leute, auf eine Vertiefung meiner Kenntnisse in diesem Bereich.
Es geht zurück nun zur Uni, wo ich mit June, dem Koreaner, eine Partie Billard spiele und kläglich verliere. Später dann erneut Champions League, bevor es gegen Mitternacht zu Bett geht.

9. April 2009
Am Morgen geht’s früh auf, zu Denis rüber, der meinen von Viren befallenen Computer repariert hat. Er hat mir eine merkwürdige Raubkopie von Windows XP installiert, die Windows Music Edition heisst und mir einen merklich instabilen Eindruck hinterlässt. Ich bin trotzdem froh, dass ich wieder arbeiten kann, habe ich doch in den vergangenen, Computer-freien Tagen gemerkt, dass es mir schlicht nicht mehr gelingen will, Texte von Hand zu schreiben. Am Nachmittag schliesslich geht’s an die Uni, zur Vorlesung über Conflict-Management und Peacekeeping. Es wird über die UNO-Charta referiert und über die internationale Anarchie und Enforcement-Problematik, alles bekannte Dinge, hier jedoch aus afrikanischer, durchaus unterschiedlicher Perspektive betrachtet. Nach der Vorlesung treffe ich meine Mitstudenten, viele habe ich bereits kennengelernt in diesen Wochen, einige von ihnen sind tatsächlich zu Freunden geworden. Ich mache mich auf in die Stadt, zum Supermarkt, wo ich endlich finde, was ich so lange suchte: eine Gaskartusche für meinen kleinen Campingkocher. Nachdem ich bisher ausschliesslich auswärts, meist in der Hostelkantine, gegessen habe (was merkwürdigerweise auch billiger kommt als die Selbstversorgung …), freue ich mich, mal wieder selbst zu kochen. Es gibt Spaghetti mit einer Zucchetti-, Tomaten- und Zwiebelsauce, das erste Mal Pasta nach zwei Monaten – wunderbar! Am Abend dann mache ich mich hinter einen nächsten NZZcampus-Text, jede Woche mindestens einen Beitrag lautet die Vorgabe… Gegen elf dann überzeugen mich einige Mitbewohner, sie zur „Rock-Nite“ zu begleiten. Das Steak-Out, der Club, indem jeden Donnerstag Rock gespielt wird, ist heute aufgrund des morgigen Freitages gerapellt voll. Es werden, wie immer, mehrheitlich fünf oder zehn Jahre alte amerikanische und europäische Rock- und Popsongs gespielt (von Majiahii über Nickelback, Lenny Kravitz zu Darude mit Sandstorm), ein ganz unterhaltsames, wenn auch etwas absurdes Schauspiel. Irgendwann dann laufen wir heim, gönnen uns unterwegs ein spätes Mitternachtsmal. Ich freue mich aufs Osterwochenende.

Bild: Fabian freudig rudernd auf dem Viktoriasee.

Donnerstag, 9. April 2009

von lauschern und sehern

und sie haben geschrieben [...]zwei schweizer und drei tessiner[...]. Stimmt, denn dort gibt es jetzt dann sowieso nur noch rumänen.
und sie sagen wos rost ufem dach isch mueses e füechte chäuer ha. grandios.
und er singt d wäut isch gar nid chli und er singt auch u de wäre mr fasch no chli glücklech si. trotz durchschnittlicher cd geht das in ordnung.
und er singt where in this world should i go? 17.4. RF
und er sagt entweder bisch e numere oder de bisch d numere eis. tommy, du seisches.
und ich sage: Ein Ei macht noch keine Ostern, aber aus einem Ei kann ein Hase entstehen.

Mittwoch, 8. April 2009

Varian



Nach knapp 6 Semestern bei den Studenten konnte ich mich durchringen ein erstes Buch zu kaufenf (welches ich behalten werde). Eigentlich war ich bis anhin ganz stolz noch kein Buch gekauft zu haben, aber man wird ja älter. Es handelt sich übrigens um die Mikroökonomie-Bibel Varian. Wie den Ökonomen unter Ihnen bewusst sein wird ist der Varian in der Mikroökon so etwas wie der Campbell in der Biologie oder der Kipler in der Physik. Also durchaus eine lohnenswerte Investition, wie mir scheint.

Mittwoch, 1. April 2009

Wäre ich ein guter Polizist? - Reloaded

Rein optisch muss ich zugeben, dass der zweite Polizist (man nennt ihn rupeli), besser ist. Nun, ich will sowieso Bauer werden.

Ferdinand Gerhard beantwortet Fragen von Fischli und Weiss. Heute mithilfe von freundlichen moldawischen Polizisten.

Dienstag, 31. März 2009

Anekdote aus dem Osten

Vom Dienste am Vaterland im Osten Europas gibt es vor allem ein Erlebnis zu berichten. Es gibt dann noch ein par andere Sachen, wie beispielsweise der Ausspruch "You can do it here!" eines Gastes zur Serviertochter, womit das Nachfüllen des Getränkes in das Glas gemeint war und keine Obszönitäten. Ah, und die Schweiz hat auch noch gespielt. Auf tiefem Niveau und ohne grosse Lust mit entsprechendem Stimmungsmissstand. Wenigstens hat der Ottmar noch freundlich gegrüsst und der Polizist hat seinen Hut geleiht (Foto folgt). Aber lesen Sie selbst über die bereits erwähnten wichtigen Dinge:
Man stelle sich vor in Moldawien zu sein und müsse die letzten leuen (e lei elei) investieren. Man kauft logischerweise die Produkte mit einem guten Preis-Leistungsverhältnis, welche ausserdem für eine Fahrt mit dem Nachtzug geeignet sind. Nun will man natürlich das gekaufte sogleich testen und gönnt sich mal ein Bier (Wahrscheinlich hätte Wodke bezüglich Alkohol ein besseres Preis-Leistungsverhältnis. Aber Leistung heisst ja nicht Alkohol, logisch). Jedenfalls hatte in früheren Epochen eine Grossmacht das Gefühl eine andere Spurbreite für die Züge haben zu müssen, was zur Folge hat, das der Zug rund drei Stunden mit Fahrwerkwechsel beschäftigt ist. Nun sind aber während dieser Zeit die sanitären Anlagen des Zuges geschlossen wobei auch schon am springenden Punkt wären. Der Eine oder Andere wurde mit einem eher verkrampften Gesicht und etwas nervösen Beinbewegungen gesichtet und der Eine nach dem Anderen suchte in Folge dessen der Zwischenraum zwischen den Wagen auf. Ich wollte natürlich nicht aus der Reihe tanzen. Dumm nur, dass als ich an der Reihe war, ein grün gekleideter Einheimischer durch den Zug ging. Zum Glück geschah dies bei bereits verminderten Druckverhältnissen und es scheint als habe er nichts gemerkt (oder er war freundlich).

Montag, 30. März 2009

Uganda, Miscellaneous IV

Sonntagmorgen. Während der Sonntagmorgen zuhause mein Lieblingsmorgen ist, mag ich diesen hier in Kampala nicht wirklich. Hierfür gibt’s aber einen konkreten Grund: die Kirche. Gleich gegenüber unseres Hostels findet sich eine kleine Kirche, in der am Sonntagmorgen ein Gottesdienst stattfindet. Hierbei handelt es sich jedoch nicht um eine andächtige Messe konservativ-europäischer Prägung, sondern um ein recht ausgelassenes afrikanisches Kirchenfest. Es spielt eine (eher ungeniessbare) Band, die beiden Priester wechseln sich gegenseitig ab mit ausgedehnten und recht lautmalerischen Halleluja-Parolen, und all dies wird tausendfach verstärkt durch die kraftvolle Musikanlage. Das Ganze beginnt am Sonntagmorgen um neun Uhr und dauert ungefähr bis ein Uhr mittags. Eine Stunde wird in Luganda gepredigt, die nächste in Englisch, dann wieder Luganda. Und ich armer Langschläfer werde jäh aus meinen Träumen gerissen. Kein schönes Aufwachen.
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Im Kongo. Am Samstag war ich im Kongo, in Nord-Kivu genauer, in jener Provinz also, in der sich laut einer französischen Politologin die „grösste humanitäre Katastrophe des 21. Jahrhunderts“ abspielt. Ich war mit der Anthropologieklasse auf Feldexkursion im Südwesten Ugandas. Und da haben wir auch einen Zwischenstopp an der kongolesischen Grenze gemacht. Hier kam mir die merkwürdig-amüsante Ehre zu, zwischen dem kongolesischen Grenzwächter und unserem Professor zu übersetzen. Und der nette Herr liess uns schliesslich tatsächlich die Grenze passieren, ohne jegliche Pass- oder Visakontrolle. Zwar waren wir nur im Grenzort, aber alleine die Vorstellung, dass es diese Menschen hier sind, die von dieser Katastrophe betroffen sind, vielleicht Verwandte verloren haben, hat mir – nachdem ich letztes Jahr in der behüteten Welt der Zürcher Bibliothek noch eine Seminararbeit über den Konflikt geschrieben hatte und entsprechend ein wenig Hintergrundwissen besass – die Kehle zugeschnürt. Später, als wir zudem an einem UNHCR-Flüchtlingslager vorbeigefahren sind, wurde mir ein weiteres Mal bewusst, dass es nicht meine Aufgabe sein kann, zuhause im warmen Büro zu sitzen, während draussen die halbe Welt am Abgrund steht.
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Norwegisch-afrikanisches Liebestheater. Von den Europäern hier an der Makerere stellen die Norwegerinnen die Mehrzahl der Austauschstudierenden dar. Gut zehn Studentinnen sind es, die alle Development Studies machen und sich beinahe durchwegs durch eine amüsante Eigenschaft auszeichnen: Ihre Liebe zu den afrikanischen Herren. Während viele andere Austauschstudenten hier wenig mit Frauen-, Männer- und Liebesgeschichten am Hut zu haben scheinen, ist die Mehrzahl der Norwegerinnen bereits nach wenigen Wochen verheben und in festen Händen. Erst letzte Woche kam es zu einer neuen Verbindung, die beiden Glücklichen (beides Politologen und mir daher wohlbekannt) haben sich plötzlich und mit verfehlter Unauffälligkeit ins dunkle Kämmerchen zurückgezogen. Auch die letztjährige Norwegen-Makerere-Generation hat sich, wie mir gesagt wurde, nicht viel anders verhalten. Und beim schmerzlichen Abschied natürlich bittere Tränen geweint. Merkwürdig, diese Norwegerinnen…

Bild: Lake Bunyoni im Südwesten Ugandas, in der Nähe zu Rwanda und dem Kongo.

Die Normalität der abnormen Gewöhnlichkeit

Afrika scheint vollgepackt mit Absurditäten. Und je tiefer man sich diesen hingibt, desto weniger versteht man sie. Dies ist meine Empfindung zur Stunde.
Nachdem ich mich während den ersten acht Wochen hier bereits mit verschiedensten sonderlich-bizarren Begebenheiten und Ereignissen konfrontiert sah, erreichte der gestrige Abend ungeahnte Rekordwerte in der Skala des Absurden. Eine Geschichte, die nur so lange amüsant ist, bis man darüber nachzudenken beginnt.

Max ist ein schätzungsweise dreissigjähriger Ugander, der an der Makerere IT studierte und jetzt „anderes Business macht“, wie er es nennt. Max ist ein freundlicher, aufgestellter Kerl, den ich vor einigen Wochen in einer Bar in Kampala das erste Mal traf. Wir haben uns gut verstanden und schliesslich vereinbart, unser Gespräch bei einem anderen Treffen fortzusetzen. Dies zweite Treffen hat gestern stattgefunden. Max hat mich mit seinem Auto abgeholt und mich auf einen Drink im „Grand Imperial Hotel“ in Kampalas Stadtzentrum eingeladen. Dann, nach einigen Minuten gemütlicher Plauderei, kam es: „I’d like to offer you a job, Fabian“, meinte Max. „In Africa it’s hard to do business in the usual, official way: Too expensive, too complicated. So we make things easier…“. Ich war etwas konsterniert und fragte nach, um was es sich denn genauer bei diesem „Business“ handle. Max antwortete, es gehe um „Investments“. Ok, Investments… Welche Art Investments? „Everything from hotel renovations to media stuff“, meinte Max. „Media stuff?“ - „That’s confidential, I can’t tell you, Fabian“.
Nach und nach jedoch wurde klar, von was denn eigentlich die Rede war. Zusammengefasst sieht dies so aus: Max arbeitet für einen (der über siebzig) ugandischen Minister, der durch sogenannte illegale side businesses sein Salär aufbessert. Bei diesen Nebengeschäften handelt es sich um verschiedene Investitionen in verschiedene Bereiche und Wirtschaftszweige – in was genau ist highly confidential. Die entsprechenden Investoren sitzen meist in Europa. Das Problem nun ist, dass die Europäer, wie Max mir erklärte, den Afrikanern nicht trauen würden - und deshalb über weisse, europäische Mittelmänner verhandelt werden müsse. Und ich, the Swiss guy, soll Mittelmann werden. „Why me?“, frage ich. „Why not?“, meint Max. „It’s a great job. Every second, third week we‘ll send you to Europe for two, three days, we pay the flight, the hotel, the food. You meet our business partners and the potential investors, you hand over the contract, make them sign. That’s it!“ Ich frage, ob das Ganze nicht arg gefährlich sei für ihn, für den Minister, für die Mittelmänner – immerhin findet dies alles in der Illegalität statt.“No, it’s not. This is Africa, my friend!“, antwortet Max. Ich solle mich bis morgen entscheiden, dann würden wir uns einige weitere Male treffen, bis ich schliesslich dem ominösen Minister vorgestellt und mit ihm dinieren würde und hierbei den Confidence Check zu bestehen hätte.
Max fuhr mich im Anschluss zurück zu meinem Hostel, unterwegs sprachen wir unter anderem über Politik. Max meinte hierzu: „Modern politics is just a facade in Africa. So you have to help yourself.“ Ich nickte. Max konnte hierüber lachen, ich nicht.

Samstag, 21. März 2009

Wo ist Zuhause?

Zuhause ist da wo die Rechnungen hinkommen.

Ferdinand Gerhard beantwortet Fragen, die die Menschheit seit langem beschäftigen. Diesmal unter gütiger Mithilfe einer Inspirationsquelle aus dem nördliche Nachbarland der nachts auf meinem Sofa Martini trank als ich nachts nach Hause kam.

Dienstag, 17. März 2009

Uganda, Miscellaneous III

Balkonbesuch. Dennis ist mein Nachbar. Ich habe ihn während meiner ersten Woche hier getroffen und wir sind Freunde geworden. Dennis ist Kenianer, aus der Nähe Nairobis stammend, Informatik und Business-Student an der Makerere. Er hat ein kleines Zimmer im Hostel nebenan, wo ich ihn ab und zu besuche. Meist jedoch besucht er mich. Nicht in meinem Zimmer, sondern drüben, auf dem Balkon. Er muss hierzu nur die Treppe vor seinem Zimmer raufzugehen, über die Baustelle des sich noch im Bau befindlichen letzten Stockwerks hinüber zu jener Stelle kommen, wo sich mein Balkon befindet, und meinen Namen rufen. Faaaaaabiiiiiaaaaaaaan. Oder auch: Iuuuurrregggg (für: Urech). Bin ich zuhause, geh ich raus und wir plaudern etwas. Ich auf meinem Balkon, er an die Stützpfeiler des unfertigen nächsten Stockwerks gelehnt, zwischen uns vielleicht drei Meter, wo es zwischen den beiden Gebäude 10, 15 Meter runtergeht. Ich mag diese Besuche, auch, wenn der gute Dennis auch schon mal samstags um 8 Uhr morgens Fabian-rufend am Balkon steht und mich aus den Federn holt. Bisweilen gehen wir dann eine Runde Billard spielen, oft treffen wir uns zum Fussballschauen, manchmal kommt er auch nur hoch um einfach hallo zu sagen. Ein guter Kerl. Und die Baustelle, die mir vor dem Fenster die Sicht nimmt, hat so doch noch was Gutes.
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Musevenis „Opfer ans Wohle des Landes“. Präsident Museveni, der seit bald 23 Jahren an der politischen Spitze Ugandas steht, hat vor zwei Wochen einige Änderungen in seinem 70 Minister umfassenden Kabinett (Kenya hat neurdings noch mehr und ist neue Nummer 1 in Afrika) bekanntgegeben. Die augenfälligste Mutation bzw. Neuernennung betraf den Ministerposten für die Region Karamoja, nordöstlich Kampalas an der Grenze zu Kenia liegend. Herr Museveni hat nicht allzu weit gesucht und den Posten durch seine Frau, die ehrenwerte First Lady Janet Museveni, besetzt. Eine Wahl, die verständlicherweise für einigen Wirbel sorgte. In einem BBC-Radiointerview rechtfertigte der Präsident seine Nominierung letzte Woche auf merklich amüsante Art und Weise, indem er sagte, er habe den Posten seiner Frau zugesprochen, weil ihn sonst niemand wollte – das Ganze sei eine Opferung der Familie zum Wohle des Landes. Man kann sich nun fragen, ob denn die gute Frau nicht tatsächlich das Zeug dazu hat, in der ärmlichen Region für Besserung zu sorgen. Sie sitzt seit einigen Jahren im Parlament und ist graduierte Makerere-Studentin. Der Vorsteher unserer Polito-Fakultät hat uns aber kürzlich erzählt, dass Frau Museveni nur einmal auf dem Campus gesehen wurde – zum Ablegen der finalen Masterprüfung. Diese habe im Büro des Universitäts-Dekans stattgefunden und kaum mehr als eine halbe Stunde gedauert…
Am Sonntag nun stand in der Zeitung, dass der Präsident seiner Gattin für ihre Aufgaben einen Helikopter schenken möchte. Diese belässt trotz ihrem neuen Amt ihren Wohnsitz in Kampala und benötigt daher, um auf den ungeteerten Schotterpisten raus nach Karamoja nicht unnötig Zeit zu verlieren, nun ein anderes, schnelleres Transportmittel...
Nach sieben Wochen Uganda möchte ich meiner Weihnachtswunschliste einen weiteren Namen hinzufügen: Yoweri Museveni.
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Heimweh? Als mich der Papa Peter kürzlich fragte, ob ich denn ab und zu Heimweh hätte, hab ich so spontan gar nicht zu antworten gewusst. Entsprechend kann mein Heimweh zumindest nicht akut sein, sonst wäre ich mir dessen ja bewusst. Jetzt, wo ich aber etwas weitergehend drüber nachdenke, merk ich, dass ich mein Zuhause doch ab und zu vermisse. Nicht in schmerzlicher oder nachhaltig bedrückender Art und Weise, sondern teilweise nur für einen Augenblick, dem Umstand entsprechend und wohl immer dann, wenn ich merke, dass ich eben hier doch nie zuhause bin oder sein werde. Da ist etwa der Sonntagmorgen, wenn ich aufstehe, das Zmorge mit Familie, Züpfe, gutem Kaffee und der Sonntagszeitung vermisse. Oder beim Kartenspielen mit anderen Austauschstudenten, wenn ich dran denke, wies war, mit meinen Freunden zu jassen, dazu ein Glas Wein zu trinken und unbeschwert zu plaudern, zu erzählen, zu sein. Auch fehlt mir meine Sprache, das Schweizerdeutsch, sagen zu können, was man denkt, wie mans denkt – und dabei verstanden zu werden. Oder auch teilweise kleine Details, wie das frische Brot im Supermarkt, vielleicht mal ein Rivella, die Gewissheit, Teil von dem zu sein, das um einem ist, verstanden zu werden, verstehen zu können. Ja, die Schweiz ist kein schlechtes Zuhause. Werd gleich mal die Nationalhymne anstimmen...

Sonntag, 15. März 2009

Freitag, 13. März 2009

Mittwoch, 11. März 2009

Uganda, Miscellaneous II

Downtown Kampala

Obama.
„How is Obama?“, lautet die häufige Frage. Sie ist an mich gerichtet; täglich aufs Neue, irgendwo auf der Strasse, beim Vorbeigehen. Was antworten? Ich bin nicht Amerikaner. Aber eben weiss, was in der afrikanischen Konzeption des „Mzungus“ oft aufs Gleiche hinausläuft. Ja, der neue Mann an der globalen Spitze ist wichtig für Afrika. Er ist der neue Mandela, der neue Annan, er ist Symbolfigur und verkörpert jenes, was Afrika dringend bräuchte – Führungsstärke, Weitsicht, Intelligenz. Unser Professor hat kürzlich gemeint, Obama sei der erste legitim-demokratisch gewählte afrikanische Präsident. Das war ein Witz. Oder doch nicht?
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The Pearl of Africa. „Uganda is alive by itself. It… ought in the course of time to become the most prosperous of all our East and Central African possessions, and perhaps the financial driving wheel of all this part of the world… My counsel plainly is: ‘Concentrate upon Uganda’ No where else will the result be more brilliant, more substantial, more rapidly realized.” Winston Churchill, 1904. Soviel zum Potential dieses Landes. Was daraus gemacht wird, sehe ich von meinem Balkon aus beim Blick runter über die Wellblechdächer der ausgedehnten Wandegeya-Slums. Eine Tragödie.
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Der Storch. Der Storch ist der inoffizielle Herrscher des Makerere-Campus‘. Zumindest in ugandischer Version eine recht schmucklose, wenn auch amüsante Spezies, immerzu klappernd und trotz stattlicher Postur erstaunlich flieggewandt ist der Storch überall anzutreffen, morgens wie abends, meist in kleineren Scharen zu etwa einem Dutzend. Ich mag den Storch. Er ist friedlich und irgendwie etwas ungelenk-unbeholfen. Er isst, was ihm vor dem Schnabel liegt und scheint stets zufrieden. Ein bescheidenes Tier. Seit heute schmückt eine grosse Storchenfeder meine Zimmerwand.
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Sauberkeit. Weshalb seid ihr Westler eigentlich stets so dreckig? Diese Frage ist ernst gemeint. Und ich hab sie nicht erst ein Mal gehört. Die lokale Studentenschaft legt – ich hab’s in meinem Hemden-Beitrag bereits kurz erörtert – viel Wert aufs Äussere. Entsprechend wichtig ist Sauberkeit. Die meisten Studenten tragen Putztücher mit sich, um die Sitzfläche des Stuhls im Hörsaal vorsichtig abzuwischen, bevor man sich draufsetzt. Und wenn ich jeweils meinen Rucksack neben mich an den Boden stelle, wird er auch schon mal mit unverständlichem, jedoch freundlichem Kopfschütteln aufgehoben und auf einen (abgewischten) Stuhl gelegt.
Gegensätzliches ist jedoch bezüglich der Nahrungsmittelhygiene zu beobachten. Da scheint’s wiederum niemanden zu stören, wenn die Mücken und Fliegen sich an unserem Mahl mitbedienen. Das soll mal einer verstehen…
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Rasenmäher. Noch immer fallen viele Vorlesungen aus. Ohne Vorankündigung, einfach so. Niemand taucht auf, also geht man wieder nach Hause, einen Tee trinken oder plaudert ein wenig. Diese ganze Unverbindlichkeit ertrage ich an manchen Tagen besser, an manchen Tagen aber reg ich mich auf und finde es – basierend auf meinem Schweizer Werteverständnis – schlicht respektlos, uns so häufig und in vollstem Bewusstsein vergebens warten zu lassen. Interessant, dass gerade jener Professor, der uns in Ethik unterrichtet, allermeist nicht zum Unterricht erscheint - unangekündigt.
Es gibt allerdings auch andere Gründe, die dazu führen können, dass eine Vorlesung nicht stattfinden kann oder abgebrochen werden muss. Einer hiervon sind die Rasenmäher. Die Makerere verfügt über eine recht fleissige Mannschaft von Gärtnern, die den Campus in einem tatsächlich sehr behaglichen Zustand erhalten. Natürlich werden hierbei auch die Rasen gemäht – und hiervon gibt’s im tropischen Uganda viele. Wenn jedoch der Rasen vor unsere Fakultät zur Unterrichtszeit geschoren wird, hat das gewisse Nachteile. Die benutzten Rasenmäher sind nämlich derart laut, dass man in den Hörsälen – im ewig-sommerlichen Uganda gibt’s keine schalldämpfenden Fenster – sein eigenes Wort nicht mehr versteht. Und auch wenn die Klasse sehr nahe zusammenrückt – der Professor ist nicht mehr zu verstehen. Und der Unterricht hiermit zu Ende.

Sonntag, 8. März 2009

Fragestunde von Onkel Andi

Kirgistan und Kasachstan inklusive Kulturschock und Klimasorgen oder Europa inklusive strammen Waden oder Alpsommer inklusive strammem Geruch?
Reading inklusive Karriere, Englisch und leerem Portemonnaie oder Berlin inklusive Kebab und deutschen Würstchen oder Hohenheim inklusive Suttgart oder Montpellier inklusive frankophoner Unikultur?
Ist ein Praktikum bei Nestle verwerflich oder kann man etwas kritisieren und dann dort ein Praktikum machen?
Wieso bekomme ich die Pferdewoche zugeschickt?
Wieso kommt auf Facebook bei meinem Profil Werbung zum Abnehmen obschon ich gerade eineinhalb Monate in Kur war?
Soll ich mehr Grounds machen als rupeli, oder ist er dann traurig und wütend?
Lieber einen Boten zu Pferd schicken oder ein SMS oder an die Facebook-Pinwandposten?
Sich lieber auf Facebook oder auf einem schlechten Blog oder auf einem guten Blog oder auf einem Blog oder am Donnerstag im Stuz oder am Freitag im Kaufi selbstinszenieren?

Danke für Ihre Hilfe.

Freitag, 6. März 2009

Uganda I

Weites Land schreibt Geschichte ins Gemüt
Und färbt sich rot in weisse Herzen
Weil Abend s‘wird, und dunkel, schwarz
Verwelket alles im seichten Trommelwirbel
Der Weltgeschichte.

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Aufbruch zu neuen, erweiterten Ufer
(ohne jedoch hier abzuspringen...).