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Sonntag, 1. November 2009

Es muss rund zehn Jahre sein, dass wir uns das erste Mal getroffen haben. Ich kann mich jetzt nicht mehr genau an die Umstände erinnern, und auch nicht ob ich wir uns von Anfang an gut verstanden haben. Doch scheint dies auch nicht mehr so wichtig zu sein, schliesslich ist es zehn Jahre her und wir sind immernoch zusammen. Wir sind zusammen eingeschlafen, zusammen aufgewacht, sind durch die Welt gereist, haben gegessen, gelacht, aber auch geweint, geduscht, Fotos angeschaut, velogefahren, gesnowboardet, gekuschelt, gefeiert bis in die frühen Morgenstunden und gekatert, ja sogar geshoppet. Dies klingt fast nach einer stolzen Leistung, mir kommt es aber gar vor als wäre es völlig natürlich. Ich muss auch zugeben, du bist ein schrecklich guter Begleiter. Wenn man dir nicht mehr zuhören will, kann man dich einfach bitten ruhig zu sein, und du bist es. Und trotzdem, wann immer man es braucht, und das ist in den vergangenen zehn Jahren weissgott ein par Mal gewesen, hast du die richtigen Worte bereit. Auch wenn sie manchmal zum verwechseln ähnlich sind, du sagst es auf eine so gute Weise, dass man dir nicht böse sein kann. Ich weiss nicht ob du für andere auch so ein guter Kumpel bist, wahrscheinlich schon. Doch auch das ist mir egal, so lange wir uns die Stange halten kann unserer Freundschaft kaum jemand etwas anhaben. Auf weitere zehn Jahre Clandestino, gruss vom Suizo clandestino.

Solo voy con mi pena
Sola va mi condena
Correr es mi destino
Para burlar la ley

Perdido en el corazón
De la grande Babylon
Me dicen el clandestino
Por no llevar papel

Pa' una ciudad del norte
Yo me fui a trabajar
Mi vida la dejé
Entre Ceuta y Gibraltar

Soy una raya en el mar
Fantasma en la ciudad
Mi vida va prohibida
Dice la autoridad

Solo voy con mi pena
Sola va mi condena
Correr es mi destino
Por no llevar papel

Perdido en el corazón
De la grande Babylon
Me dicen el clandestino
Yo soy el quiebra ley

Mano Negra clandestina
Peruano clandestino
Africano clandestino
Marijuana ilegal

Solo voy con mi pena
Sola va mi condena
Correr es mi destino
Para burlar la ley
Perdido en el corazón
De la grande Babylon
Me dicen el clandestino
Por no llevar papel

Argelino clandestino
Nigeriano clandestino
Boliviano clandestino
Mano negra ilegal

Sie mögen jetzt denken dies sei eine einseitige Botschaft. Doch was ist ein Song ohne Zuhörer?

Samstag, 17. Oktober 2009

Sollten wir nicht eigentlich etwas mehr Demut zeigen? Ich finde, diese Frage darf man stellen. Oder muss man sie gar stellen? Ich finde müssen müssig, dürfen dürftig und wollen gut. Schafwolle oder Baumwolle? Ich mag eigentlich lieber Baumwolle, obwohl Schafwolle gibt wärmer. Wäre es auf der Welt ohne Menschen kälter? "Mir hei zäme no nid emau e Chätschgummi gstohle, aber wede wosch, chume ig di überau cho hole"

Samstag, 12. September 2009

Dasch verruckt

Ich nehme an, Sie kennen dieses Video beziehungsweise den Text über Coop und Migros Kinder. Übrigens nehme ich auch an, dass Sie dieses Video kennen. Hmm, und wohl dieses? Die Janelle ist ziemlich cool. Aber ich wollte nicht ablenken. Denn ich sage euch, in dem Neu Yorck, das ist verruckt, die Leute haben so heiss vor der UBahn und dann so kalt in der UBahn, und trotzdem sind sie so glückläch. Sowieso ist das verruckt, auch in Kalifornien ist es so heiss den ganzen Tag und selbst in der Nacht, und trotzdem sind die Leute da so glückläch. Und die haben Früchte, ganz ohne Geschmack, und trotzdäm sind die so glückläch. Oder die Besucher an einem Baseballmatch, die haben so wenig Unterhaltung, und trotzdem sind die so glückläch. Was allgemein im Ausland noch verruckt isch, ist dass es da überall so wenig von der Schweiz hat, und die sind trotzdem so glückläch. Wobei, eigentlich ist es schon erstaunlich wenn man durch den Aargau fährt, und das einzgie was die haben sind Autobahnen und Nebel, und trotzdem sind die Menschen da so glückläch. Oder dann in Züri usse, da haben die alle so einen grusigen Dialekt, und trotzdem sind die so glückläch. Auch in Züri sind diese Heugümper, und die haben so wenig Zuschauer und gar kein Geld, und trotzdem sind die so glückläch. Verruckt. Ja es isch verruckt, die Bure überchöme aui so weni Gäut für ihri Miuch, u si aui so unglücklech.

Freitag, 29. Mai 2009

Auferstehung

Nach eine Woche der Trauer (hier mein Mittel zur Überwindung der schmerzvollen Niederlage) gibt es neue Erkenntnisse:
- Das allgemein verbreitete Gerücht, dass die weiblichen Artgenossinnen mit genügend Alkohol hübscher werden ist leider falsch. Es handet sich dabei um einen grundlegenden Kausalzusammenhang, der falsch interpretiert. Nämlich ist es eigentlich so, dass die Weiblein im Sommer weniger Stoff tragen, dadurch für die Männlein interessanter werden; Diese jedoch im Sommer mehr Bier trinken und deshalb entstand eben das falsche Volksdenken.
- An Studentenpartys hats vor allem Würscht.
- "Jesus sprach zu den Hebräern, passt auf mit dem Aebi Mäher, nehmt lieber den Rapid, da kommt ihr doppelt so wiit"
- Realistische Einschätzungen zur Fussballfan Diskussion in den gewaltgeilen Medien entnehmen Sie bitte diesem Blog und diesem Interview.

Freitag, 1. Mai 2009

Der Supermensch

Wenn man sich auf Reisen in ärmere Länder begibt, trifft man hin und wieder auf den Supermenschen. Er (oder sie) ist die Idealfigur des 21. Jahrhunderts, ein aalglatter Moralist! Er (oder sie... aber belassen wir es von nun an beim er) hat bereits viele Länder bereist, ist jung oder fühlt sich so, lächelt freundlich, wenn man ihn das erste Mal trifft, ist unheimlich tolerant gegenüber allem und jedem, versucht sich hartnäckig und verbissen dem Fremden anzunähern, sich zu integrieren, einzufügen in die tolle Farbigkeit der Welt. Er findet das Andere immer etwas besser als das Heimische, ist nur im Notfall patriotisch gesinnt, ist Optimist oder Zweckoptimist, Träumer und Visionär, Idealist, Pazifist und Humanist und glaubt sowieso stets: Das Gute wird siegen, man muss nur daran glauben und lächeln, Amen! Er haut nie über die Stränge, weil er trotz seiner ewigen Jugendlichkeit zu alt dafür ist, nickt aus Freundlichkeit, auch wenn er anderer Meinung ist und weiss vielleicht selbst nicht genau, welcher Meinung er ist. Er findet, dass der Westen kalt und kapitalistisch, der Süden lebensfroh und menschlich sei, und will sich täglich aufs Neue davon überzeugen, dass Geld nicht glücklich macht. Er ist nicht launisch, nicht böse, nicht pathetisch, nicht vereinnahmend, nicht hämisch. Er verträgt Ironie und scharfen Humor nur schlecht, da sie Leute verletzen und verderben könnten, er findet, man müsse fair, gerecht und nachsichtig sein. Er lässt sich gerne auf Diskussionen ein, die uns in seichtem, widerspruchs- und wellenlosen Gewässer in den Schlaf singen. Alles was zählt ist schliesslich der Glaube ans Gute.
Weniger gern mag er hingegen Dissonanzen, kleine Risse in der Argumentationsstruktur seiner himmelblauen Welt, unbequeme Fragen, ein Verschwimmen zwischen Schwarz und Weiss, eine Ahnung der Komplexität der Welt.
Ja, es sind deren viele. Der Supermensch ist überall. Und ich mochte ihn stets, früher, dachte: Ach, was für ein guter Kerl! Oder: Oh, ein reines Herz! Heute geht mir der Supermensch an manchen Tagen gehörig auf die Nerven. Dieser farblose Gutmensch, Produkt und Ableitung einer Prinzipiensammlung einer allzu oberflächlichen Moral, erscheint mir manchmal fast wie eine Art neo-religiöser Eiferer, der sich das Diesseits mit dem Weissmalkasten aus dem persönlichen Jenseits zurechtmalt, immer heller, denn der Farbe ist genug vorhanden. Funktionierend nach dem Grundsatz „Gut ist, was gut ist!“ spaziert er also mit freundlichster Miene und völliger Unschuld durch die Welt. Das Resultat? Ein Automatismus, wie soll es anders sein, so lange man sich gut, wertvoll, sozial, moralisch, global, herzlich und rein fühlt. Denn Gutes hat Gutes zur Folge, unabdingbar, unweigerlich.
Ach! Mir sind mittlerweile die schrägen Typen lieber, jene, die halt in ihrer Art spinnen, etwas verrückt sind, nicht linienförmig das allzu schlichte Ideal zu konkurrieren versuchen. Mal über die Stränge schlagen, seine Ratio besiegen. Ein, zwei Bier zu viel, ein derber Witz, eine politisch inkorrekte Bemerkung. Kreativität, Eigensinn, Scharfsinn, echter, also auch die Tragik des Seins tolerierender Humor! Da darf, ja soll man auch mal launisch, wählerisch, abweisend oder schroff sein, soll – ja, genau! - seinen Geist reiten, bis an die Grenzen des eigenen Universums, und weit darüber hinaus. Es lauern Gefahren auf diesem Pfad, jawohl, doch es ist auch der Pfad der genial-eigentümlichen Menschlichkeit, der Musik, deren Töne über die einfache Tonleiter hinausgehen. Ich glaube nicht an den Mensch aus der Retorte, an die scheinbare und in der Scheinbarkeit verheerende Perfektion. Irgendwann wird die Welt sterben, und wir mit ihr. Wenn also die Flut kommt und du weiter betend niederkniest und lächelnd aufs Gute hoffst, dann werde ich es nicht sein, der am andern Ende still dasitzt. Ich werde tanzen, weinen, lächeln, schreien, schweigen, sein und werden...

Samstag, 17. Januar 2009

Vielleicht, so dachte er, ist dies alles nichts weiter als ein Theaterstück. Ein langes insziniertes Schauspiel in hundert Akten, mit einem schönen, bunten Bühnenbild, mit einigen Schauspielern, die in jenem Akt auftauchen, zurücktreten, und einige Akte später wiederum auf die Bühne schreiten, um ihren Part zu spielen. Und er, auch er gehört zu ihnen, ist Teil des Prozesses, wartet hinter der Bühne auf seinen Einsatz, tritt hervor, gibt sich seiner Rolle hin, spricht, singt, tanzt und zelebriert jenes, was er sein soll, zu sein glaubt vielleicht, sein will - oder sein muss. Unaufhörlich ergibt sich aus diesem Akt der nächste, entspringt aus jener Handlung eine Fortsetzung dessen, was war, was ist und sein soll.
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Zweihundertfünfunzwanzig Wolken zählt er am Himmel. Weisse, graue, weissgraue, langgezogene, kurze, geflochtene, getupfte oder flache - und irgendwo dazwischen die Sonne, die gelblich-weiss dasteht und - ungeahnt ihrer eigenen Bedeutung - still und schweigend leuchtet, jeden Tag aufs Neue. Mit der fünfunzwanzigsten Wolke formt er zwei Kaninchenohren und platziert sie am nordwestlichen Horizont des Kirchturms. Den zwei Spaziergängern in der Nähe schenkt er eine Brise Westwind. Es ist Mittag. Die Stille liegt über den Feldern. Als sich die Sonne abends in eine rot-goldene Himmelsmünze verwandelt, kann er sie endlich ansehen, ohne blind zu werden. Ein weiterer Tag ist zu Ende gegangen.
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Als er sich hinlegte und einschlief fühlte er für wenige Augenblicke diese ungewöhnliche Leichtigkeit, die er sonst nur aus grossen Büchern kannte. Nein, es war kein Traum. Es war die ungewöhnliche Idee, dass die Welt nicht viel mehr sei als ein winzig kleiner Ton in einem ewigen Stück Wundermusik.

Samstag, 3. Januar 2009

Ich freue mich auf die Côte d'Ivoire. Wenn ich die (neueste ausgezeichnete) CD von Amadou et Mariam höre kribelt es. Das erste Mal werde ich nach Afrika fliegen. Dass ich da nicht "bloss" als Tourist sein werde, sondern eine Aufgabe zu erledigen habe, freut mich noch mehr.
Ich freue mich, den Bachelor abzuschliessen und ein Zwischenjahr, losgelöst von universitärem Alltag, einzulegen. Anständig Arbeiten. Reisen.
Ich freue mich die Zukunft in Angriff zu nehmen (oder wie Patti Smith sagte: ""I don't fuck much with the past, but I fuck plenty with the future."
Ich freue mich, den Riesenstapel Bücher neben meinem Bett zu lesen. Was da wohl alles drinsteht?
Ich freue mich morgen Abend um 18.10 Uhr meinen ehemaligen Mitbewohner in der grandiosen Sendung "Tag und Nacht" zu sehen.

Ich freue mich nicht über den nahen Osten, Somalia, Simbabwe und die allzu vielen anderen Brandherde.
Ich freue micht nicht über den Klimawandel; Der ist Realität. Und ich werde ihm ordentlich einheizen dieses Jahr. Und ich werde noch einige Gewissenskonflikte auszutragen haben.
Ich freue mich nicht über das Schatzchäschtli und ähnliche Instrumente des Grosse-Liebe-Zwang.

Mittwoch, 24. Dezember 2008

Jahresrückblick

Vor ziemlich genau einem Jahr geschrieben:

Die Vorlesung ist zu Ende. Der Notizblock ist voll. Mein Kopf leer. Alle verlassen den Saal. Ich bleibe sitzen. Heute ist etwas anders als sonst. Etwas regt sich. Es fühlt sich an, als erwache ich zögernd aus einem bleiernen Schlaf. Als hätte jemand das Licht angemacht. Wo bin ich? Wie bin ich hierher gekommen? Was ist geschehen?

(Wie lange habe ich geschlafen?)

Als hätte ich mich seit Jahren in keinem Spiegel mehr betrachtet, schrecke ich beim Anblick zurück. Das bin ich nicht. Das will ich nicht sein. Das kann ich nicht sein. Und ich bin es doch. Was ist geschehen?
Die Wahrheit ist schmerzhaft und erbarmungslos. Wie immer. Das ist ihre Aufgabe. Und heute halte ich ihr beide Wangen hin. Schlag mich, ich habe es verdient!
Irgendwo zwischen schweizerischen Zukunftsängsten und elterlichem Drängen habe ich meine Träume verraten. Doch meinem Umfeld die Schuld zu geben, reicht nicht mehr aus, um den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Das wäre allzu bequem. So leicht kann ich mir nicht entkommen. Nicht heute. Feigling, du bist umzingelt! Selbsttäuschung ist keine Cleverness sondern ein Bumerang. Und er findet mich überall. Früher oder später. Kein Weg führt an den Schlussfolgerungen des Lebens vorbei und es existiert keine Nebenstrasse für Schmerzempfindliche.

Ich gestehe. Ich bin ein schwacher Mensch. Einmal mehr habe ich den Weg des geringsten Widerstands gewählt. Auf Kosten meiner selbst. Die Schuld wiegt schwer. Und gäbe es ein Gericht für Verbrechen an den eigenen Träumen, so verdiente ich die Höchststrafe. Lebenslange Reue.
Doch das Leben hat Erbarmen mit einsichtigen Dummköpfen wie mir. Ich werde auf Bewährung entlassen.
Es ist noch nicht zu spät. Die Vorkurs-Prüfungsaufgaben warten.

Ich habe zuviel zu sagen
um nur zuzuhören
zuviel niederzuschreiben
um nur zu lesen
zuviel Sehnsucht
um genügsam zu sein
zuviel Leben
um stillzusitzen
Zu viele Träume
um realistisch zu sein
zuviel Gegenwart
um an die Zukunft zu denken

zuviel Leidenschaft
um vernünftig zu sein

Schön auf ein Jahr zurückzublicken, in dem man die richtigen Entscheidungen getroffen hat.


Samstag, 20. Dezember 2008

Die Zeit


Es gibt immer wieder Momente, in denen man sich so seine Gedanken macht, über die Zeit, oder über die Zeitachse. In Momenten vielleicht, in denen man hinausschaut, und merkt, wie schnell der Schnee gekommen ist und wieder geht, man sieht, wie die Blätter braun und gelb werden und von den Bäumen fallen, oder man feststellt, dass der Kaffee kalt geworden ist . Oder eben, wie bei mir, in Momenten, in denen das zweitletzte Semester zu Ende gegangen ist, und es darum geht, sich konkreter zu überlegen, wie es weiter gehen soll. Wo sich Angst mit Neugier,
und Wehmut mit dem Wunsch nach Veränderung mischen, man aber letzlich weiss, dass sie ohnehin nur eine Richtung hat, die Zeit. Manchmal wünscht man, sie anzuhalten, zu vergessen, zurückzudrehen oder auch vorwärts. Und dennoch gilt schliesslich, mit ihr zu gehen, nicht einfach so, nicht blind, aber so gut es geht, Schritt zu halten.



Freitag, 21. November 2008

Fragmente

Es war kalt in dieser Stadt. Zwar lag kein Schnee, häufig schien gar die Sonne, doch der kalte Wind drang durch die dicksten Mäntel. Die Menschen vermieden es, nach draussen zu gehen, sodass die Strassen merklich leer und farblos schienen. Der Übergang vom Herbst zum Winter, das fade Grau über den Strassen und die nachmittägliche Abenddämmerung verlieh der Stadt den Anschein des Vergänglichen und setzte sich gleichsam in den Gesichtern seiner Bewohner nieder, als leise, traurige Nachdenklichkeit. Am 11. November regnete es. Ich war spät aufgestanden, wie so oft, weil ich häufig bis zwei, drei Uhr wach blieb und las. Ich wusch mir das Gesicht, blickte in den Spiegel und sah, wie jeden Morgen, schrecklich aus. Ich bereitete mir mein Frühstück zu, schlug die Zeitung auf, las zwei, drei Artikel, setzte schliesslich Kaffee auf und blickte aus dem Fenster, wo die grünen Zweige der nahen Tanne dem Herbst trotzten, gerade so, als gäbs keine Jahreszeiten. Die Regentropfen an der Fensterscheibe zeichneten verworrene Linien. Es war windstill. Meine Pläne für den heutigen Tag beschränkten sich, ganz in studentischer Manier, aufs Lesen einiger Texte - eine Arbeit, die normalerweise kaum mehr als zwei, drei Stunden in Anspruch nimmt. Ich trank meinen Kaffee, ungezuckert, schwarz. Irgendwann werde ich sterben, dachte ich. Irgendwann ist hier, an jener Stelle, auf diesem Stuhl ein andrer. Ich kenne ihn nicht. Und er kennt mich nicht. Das Leben ist jetzt, dachte ich. Und es gibt nichts anderes.
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Als ich endlich raus war, nahm ich den nächsten Zug und fuhr aus der Stadt. Da, die ersten Ebenen, Felder, Wiesen und Wälder erblickend, schlief ich ein und erwachte erst Stunden später wieder, es war bereits dunkel. Ich trank und ass, stieg aus, suchte mir ein günstiges Hotel und beschloss, hier zu bleiben. Warum?
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Vieles beginnt, wenn es eigentlich bereits vorüber ist. Der Mensch als reaktives Wesen vermag es nicht anders, er ist nicht dazu geschaffen, sich selbstbestimmend den Weg zu weisen. Das führt, so glaube ich, ins Verderben, oder aber in die Kunst. Und natürlich zur Liebe. All dies sind nichts als Ahnungen, die langsam in mir wachsen, von Zweifel umgeben an manchen Tagen an Stärke und Festigkeit gewinnen, dann wieder blasser scheinen, teilweise fast vollständig auslöschen, nie aber ganz verschwinden. Wohin des Weges? In seiner universellen Bedeutungslosigkeit gefangen mache ich mich Stunde um Stunde neuerlich auf, diese Frage zu beantworten; im Wissen, dass ich scheitern, jämmerlich scheitern werde. Und im Wissen auch, dass dies Scheitern die eigentliche Notwendigkeit unsres Lebens, meiner und deiner Existenz ist.

Samstag, 8. November 2008

Dialog im Brahmshof

A:"I cha aues mache woni wott!"
M:"Dir chöit aus mache, aber nid aus isch guet für öich!"
A:"I bi aber nid öich"
Im Hintergrund ertönt: Wir sind die Coolsten wenn wir cruisen, wenn wir durch die City düsen.
M:"Wär o immer du bisch,"
A:"weme im Zimmer roukt, stinkts"
Die Musik hat gewechselt: I'm gonna be alright von der betörenden Jennifer Lopez erklingt.
M:"Es hei aui e angeri Nase. U teu verändere sech o"
A:"I kenne eine, dä het e chrumi Nase. Une angere, dä het e Nase, aber schmöckt nüt. Auergati Sache gits, aber i nimes easy."
Nun kommt If I was Santa Claus. M. will es unbedingt hören. Eine etwas melancholische Stimmung kommt auf, nach all den Partyknüllern.
M:"Darfi ds Fänschter zutue, es wird chaut."
A:"Weles Fänschter?"
M:"Das wo e Schibe het, aber me gseht nid use."
A:"Wär het e Schibe?"
M:"Indische Whyski isch guet."

Freitag, 31. Oktober 2008

Es klingelt wieder

Hallo ween. Heute ist Halloween, und ich dummerweise noch zu Hause. Tschüssween. All Scheiss Pott klingeln die Saugofen. Ich mache schon gar nicht mehr auf. Ich meine seit wann gibt es Halloween denn in der Schweiz? Ich war jedenfalls nie klingeln bei fremden Leuten. Und es hab auch keine speziellen Süssigkeiten im Supermarkt zu kaufen, um den Kindern die Zähne zu versiechen. Halloween ist nun wirklich ein Produkt des Kapitalismus; ein sehr erfolgreiches sogar. Aber völlig kulturlos (in unseren Breitengraden zumindest). Nun stellt sich dem kritischen Bürger eine Frage und dem Wirtschaftler eine zweite.
Welcher Brauch, der für mich scheint Kultur zu haben, wurde ebenfalls aus kapitalistischen Gründen eingeführt? Weihnachten wird einfach immer wie extremer(aber dem muss man sich ja genauso wenig aussetzen wie dem Halloween), hat jedoch grundsätzlich schon einen Hintergrund. Ja, die Schoggi Osterhasen und so, die sind wohl auch einmal eingeführt worden (aber die sind gut, im Gegensatz zu dem Halloween zeugs). Der Muttertag, den zelebriere ich sowieso nicht. Meine Mutter geburtstaget jeweils um den Muttertag herum, da erübrigt sich das. Ich erinnere mich, dass in Uruguay es noch den Tag des Kindes, des Freundes und des Grossvaters gibt; So, dass die in etwa pro Monat einen dieser Tage haben. Dies ist hier ja zum Glück noch nicht so weit.
Nun die Wirtschafter Frage: Welchen Brauch kann ich einführen, um reich zu werden? Beispielsweise könnten wir jeden 16.Oktober einfach 68 Milliarden auf dem Bundesplatz auf einen Haufen werfen und dann anzünden. Schiins nennt man dies Gewinngeschäft. Oder ebenfalls am 16,Oktober könnten wir in den Zeitungen schreiben die Erde sei eine Scheibe, der Klimawandel existiere nicht oder Basler Läckerli seien Rechtsextreme Kekse. Wobei, dieser Tag würde sich allwöchentlich am Donnerstag wiederholen. Lassen wir besser. Eigentlich scheint mir die beste Geschäftsidee jedoch, in die Politik einzusteigen, in der Schweiz eine Diktatur einzurichten und dann einen neuen Nationalfeiertag einzuführen, an dem nur Hugentobler Bier getrunken werden darf, nur Hugentobler Bratwürste gegessen werden dürfen und nur Feuerwerk der Firma Hugentobler gezündet werden darf. Das wäre dann der fünfte Juni. Danke.

Montag, 6. Oktober 2008

Dimitri steht am Strand und blickt auf den Ozean. Ruhig und grünlich blau breitet sich dieser grosse Urteppich vor ihm aus, spielt die Musik der Wellen, vom Moment, wo Meer auf Land trifft. Die Sonne senkt sich, es wird Abend und kühler, Venus kündigt bereits die Nacht an. Das goldene, sanfte, harmonische Herbstlicht verwandelt das Wasser in ein Heer glitzerner Tänzerinnen, das Dimitri als Abbild der Welt erscheint, als ewiglich sich verändernde Grundsubstanz, in Form und Farbe in jedem Augenblick neu erfunden und einzigartig, vergänglich jedoch – und vielleicht deshalb umso schöner, berührender. Dimitri mag das Meer, diese Unendlichkeit an Wasser, die ihm Respekt, Angst und Freude zugleich bereitet, ihm stets aufs Neue Demut und Bescheidenheit lehrt, und ihm eine Ahnung von realer Schönheit schenkt.
Er denkt zurück an seine ersten Ferien am Strand, an die grossen Sandburgen und tiefen Badewannen, die er gebaut hatte, an Begegnungen mit Fischen und Fischern, Quallen, Kindern, Erwachsenen, mit fürchterlichen Sonnenbränden, an die Freude an einer kalten Glace, an Erlebnisse und Entdeckungen mit der Taucherbrille. Und er denkt an seinen frühen Kindheitstraum, den Traum einer eigenen Insel, nicht weit zwar vom Festland, doch aber losgelöst von der grossen Welt, verbunden nur durch ein Ruderboot. Schafe hatte er sich gewünscht auf dieser Insel, und ein kleines Haus mit einem runden Turm, unter dem Dach sein Schlafzimmer mit Rundumsicht. Ein Garten auch, sowie eine Veranda am andern Ende der Insel, gleich über den herabfallenden Klippen, genauso wie der Bug eines Schiffes.
Das Meer hat sich mittlerweile zurückgezogen, sodass Dimitri weitergeht, hinaus, dahin, wo vorher noch Meer gewesen ist, und wieder Meer sein wird. Der Wind bläst ihm durchs Haar, es ist merklich kühler geworden. Zwei, drei grosse Schiffe kreuzen den Horizont, lautlos und langsam ziehen sie hinaus in den Ozean, bis sie schliesslich in der Dunkelheit verschwinden.
Dimitri ist älter geworden, seine Träume haben sich gewandelt, weiterentwickelt und verändert. Doch sie sind nicht verschwunden. Er zieht seine Schuhe an, ist müde und sehnt sich nach der wohligen Wärme seines Bettes. Das schwache Mondlicht deutet Dimitri den Weg zurück, hinauf zur Strasse, die ihn nach Hause führt, dahin, wo er seine Zelte aufgeschlagen hat.

Montag, 28. Juli 2008

Brigitte

Das letzte Mal in der Klubschule, und erst jetzt entdecke ich Brigitte. Wieso erst jetzt? Ist ja nun wirklich ein tolles Magazin; Obschon da steht für Frauen. Es ist jedenfalls eine hübsche Blondine, die mir vom Titelblatt zulächelt. "Mein Busen und ich" ist in dezentem blau daneben geschrieben. "20 Seiten - Ein Thema" steht etwas kleiner in rot. Es köntne auch stehen Ein Heft ein Thema. Beeindruckend, wieviele hübsche Frauen die abdrucken. Und sehen alle irgendwie gleicha aus; Wahrscheinlich so wie man aussehen sollte. Wobei die ine sieht wirklich gut aus, die blonde auf Seite 54. Eine Fotoserie unter dem Titel: Schöne Aussichten. Anschauenja, aber lesen? "Biografie eine Busens." Jedem das seine. Welche Leserinnen wohl Brigitte abonniert haben? Zumindest beim Frisör schauen es alle an, oder im Wartezimmer vom Zahnarzt, oder wo es sonst noch so rumliegt. Komisch wenn man dann immer anschaut wie man aussehen sollte. Ob die Weiber deshalb Emanzipation benötigen? Seien wir ehrlich. Brigitte ist scheisse. Im Kaffeeraum meines neuen Arbeitgebers gibt es den "Schweizer Bauer" und die "Bauernzeitung" und "TopAgrar" und "Die Grüne" und viele mehr zu lesen. Da gibts ein Haufen schöne Kühe mit Milchleistungen von 15000 kg zu sehen. Das ist dann was.

Freitag, 6. Juni 2008

Raum schaffen für Neues

es ist so eng hier drin, die luft bleibt mir weg







das isch d feschthütte schwiz
thörishus, mehrzwäckhaue.

Donnerstag, 22. Mai 2008

Das Meer liegt still vor ihm. Am Strand ist niemand sonst in dieser Nacht. Es ist bedeckt, nur vereinzelt machen die Wolken zwei, drei Sternen Platz, ziehen weiter und verdichten sich. Es herrscht Windstille. Weit draussen zieht ein Schiff vorbei, gemächlich und lautlos verschwindet es am Horizont. Er friert. Weit hinten, an der Strasse, sind Menschen zu hören, fremde, allzu laute Stimmen, die er nicht kennt, nicht kennen will. Er mag den Sand unter seinen Füssen. Und er mag die Stimme des Meeres, sanft wie sie heute ist, gleichmässig den Lauf der Welt erklärend. Das Hin und Her der Wellen, sich in die Unendlichkeit wiederholend, verkündet Demut. Demut und Würde, heut Nacht auch Hoffnung. Langsam steigt nun das Wasser. Zu den Füssen, über Knöchel, Knie und Hüfte hinaus. Alsbald zur Brust, zum Kinn, über Nase, Ohren, weit über ihn hinweg. Er ist nass, nass und glücklich. Es ist sein Meer, heute Nacht nur vielleicht, eine Nacht seines langen Lebens. Er schwimmt, nein schwebt im Wasser, wird Kind und Vogel, Wurm und Fisch. Ein Lächeln im Wind. - Es wird Morgen. Erste Leute spazieren am Strand. Das Meer ist rauher geworden. Die Sonne gibt der Erde ihr Gewand zurück.

Montag, 21. April 2008

In dubio Prosecco

Nein, natürlich ist die dachs’sche Demokratie keine Farce, liebe Leser! Daher will ich nun, dem per Umfrage ausgedrückten Volkswille folgend, einen ersten Beitrag über Weinkunde verfassen. Ich muss jedoch gleich vorausschicken, dass ich keinesfalls eine Ahnung von Wein habe und an dieser Stelle viel lieber über die Unabhängigkeitsbewegung in Turkmenistan berichtet hätte, welche im Gegensatz zu den 9 Stimmen, die der Wein erhielt, mit 2 Stimmen geradezu beleidigend niedrig präferiert wurde. Nun gut. Mein Lieblingswein ist der Cabernet Sauvignon. Soweit mir gesagt wurde, sind Weinkenner diesem nicht sehr wohlgesinnt. Eine widerstandsfähige Sorte, die entsprechend überall wächst und immer gleich schmeckt. Immer gleich gut, sag ich. Meine Weinkenntnisse beschränken sich allerdings sowieso nur aufs Denner-unter-fünf-Franken-Preissegment, sodass sich mein Horizont diesbezüglich und in der Hoffnung auf weitere (selbstverständlich vollumfänglich berechtigte Börsen-Boni) durchaus noch erweitern liesse. Von den mir erschwinglichen Denner-Weinen mag ich den Sunbeam Cabernet Sauvignon am liebsten. Diese Entdeckung hab ich meiner Schwester zu verdanken. Da ich als Laie beim Kauf von Wein nämlich meist einfach auf die Ästhetik des Etiketts achte, wär ich bei diesem kalifornischen Tropfen nie auch nur auf die Idee gekommen, ihn denn in mein Körbchen zu legen (siehe Bild). Da nun meine Schwester, Frau Lima, nun aber in Kalifornien wohnt und ich mal auf sie prosten wollte, hielt ich es für angebracht, einen aus der Gegend stammenden Wein auszuwählen. Denner beschreibt den Sunbeam wie folgt: „Purpurrot. Duftet verführerisch nach schwarzen Kirschen und Vanille. Kräftiger Körper mit runden Tanninen. Anhaltende Aromatik“. Hm… Tanninen?!? Im Übrigen kostet er 4.95.

Schliesslich noch zu meiner ersten mehr oder minder ernsthaften Begegnung mit Wein, die auf obigem Bild passend dokumentiert wurde: In Berlin wars, vor drei, vielleicht vier Jahren. Brächi und ich waren wie üblich in dem Alter noch zu dünnhäutig für den kräftigeren Roten, womit wir uns für einen leichten, süffigen Weissen entschieden. Die Wahl fiel schliesslich auf den Domkellerstolz, beschrieben als „Verschnitt verschiedener Weissweinsorten aus der europäischen Union“ - im Tetra-Pak, versteht sich. Meine vage Erinnerung erzählt mir von einigem Spass, der uns dieser Tropfen an jenem Abend bereitete, sodass sich wohl damals am Prenzlauer Berg unser zwar noch nicht ausgereift-routiniertes, aber doch mit Achtung und Freude erfülltes Verhältnis am lustig, müde, nachdenklich stimmenden Traubensaft gebar. „Rasend dünkt mich, wer am Wein nicht Freude hat“, äusserte sich bereits der griechische Dichter Euripides 500 vor Christus entschieden. Und auch Plato wusste, was er am Rebensaft denn hatte: „Der Wein ist ein Geschenk der Götter, sie haben ihn dem Menschen aus Erbarmen gegeben.“ Prost also.

Dienstag, 1. April 2008

Samstag, 29. März 2008

Innehalten vor den Toren der Ewigkeit

Wenn man so in der milden Frühlingssonne liegt und in Gedanken wandelnd langsam einschläft, scheint mir jene Sonne langsam aber sicher die äusserste Lederhaut der Menschen zu schmelzen, die schützende Aura aufzulösen und ein bischen zu kitzeln, was da denn noch so alles wäre; Drinnen. Mercier schreibt dazu :" Von tausend Erfahrungen, die wir machen, bringen wir höchstens eine zur Sprache, und auch diese bloss zufällig und ohne die Sorgfalt, die sie verdiente." Weiter schreibt er: "Wenn es so ist, dass wir nur einen kleinen Teil von dem leben können, was in uns ist - was geschieht mit dem Rest?" Jeder ist ein Künstler steht auf einer Postkarte in Ogangas Zimmer geschrieben. Ich mag diesen Spruch, und ich mag auch gerne den Künstler in meinem biederen Nachbar entdecken, ein unerwartetes Wasichmag von einem Kollegen lesen, Antworten auf Fragen bekommen, Fragen auf Fragen über Fragen neben Fragen. Kitzeln. Für alle offen. Kommentarlos oder Kommentarvoll.



Wenn Sie ein Museum führen würden; Was für eines wäre es?


Samstag, 22. März 2008

Zu Ostern

Gestern erschien mir der Osterhase. Ein wenig angepisst und von der Zeit gezeichnet erklärte er, dass er nichts mehr mit seinen Eiern anzufangen wisse, dass die Leute ihre Sachen lieber im Laden kaufen würden und dass die Kinder nicht mehr an ihn glaubten.
Ueberfahren würde er bei allem Uebel auch noch ab und zu, aber er sei der Osterhase, somit gäbs nur Scherben statt sterben. Ich redete ihm gut zu, aber musste einsehen, dass er recht hat.
Die traurige Wahrheit ist tatsächlich, dass er für viele von uns ausgedient hat. Wir werden älter, die Wünsche grösser, was kann da ein Osternest noch ausrichten?

Die meisten Menschen mögen keine überraschungen mehr. Gerade deshalb versteckt der flinke Hase morgen doch noch ein Nest. Eines für denjenigen, der es findet, in der Hoffnung ein wenig Freude zu bereiten.

Ein kleiner Tip: Da er sich ab und zu gerne bei den Enten rumtreibt, kann ich mir vortellen, dass es dort irgendwo versteckt sein wird.