Afrika scheint vollgepackt mit Absurditäten. Und je tiefer man sich diesen hingibt, desto weniger versteht man sie. Dies ist meine Empfindung zur Stunde.
Nachdem ich mich während den ersten acht Wochen hier bereits mit verschiedensten sonderlich-bizarren Begebenheiten und Ereignissen konfrontiert sah, erreichte der gestrige Abend ungeahnte Rekordwerte in der Skala des Absurden. Eine Geschichte, die nur so lange amüsant ist, bis man darüber nachzudenken beginnt.
Max ist ein schätzungsweise dreissigjähriger Ugander, der an der Makerere IT studierte und jetzt „anderes Business macht“, wie er es nennt. Max ist ein freundlicher, aufgestellter Kerl, den ich vor einigen Wochen in einer Bar in Kampala das erste Mal traf. Wir haben uns gut verstanden und schliesslich vereinbart, unser Gespräch bei einem anderen Treffen fortzusetzen. Dies zweite Treffen hat gestern stattgefunden. Max hat mich mit seinem Auto abgeholt und mich auf einen Drink im „Grand Imperial Hotel“ in Kampalas Stadtzentrum eingeladen. Dann, nach einigen Minuten gemütlicher Plauderei, kam es: „I’d like to offer you a job, Fabian“, meinte Max. „In Africa it’s hard to do business in the usual, official way: Too expensive, too complicated. So we make things easier…“. Ich war etwas konsterniert und fragte nach, um was es sich denn genauer bei diesem „Business“ handle. Max antwortete, es gehe um „Investments“. Ok, Investments… Welche Art Investments? „Everything from hotel renovations to media stuff“, meinte Max. „Media stuff?“ - „That’s confidential, I can’t tell you, Fabian“.
Nach und nach jedoch wurde klar, von was denn eigentlich die Rede war. Zusammengefasst sieht dies so aus: Max arbeitet für einen (der über siebzig) ugandischen Minister, der durch sogenannte illegale side businesses sein Salär aufbessert. Bei diesen Nebengeschäften handelt es sich um verschiedene Investitionen in verschiedene Bereiche und Wirtschaftszweige – in was genau ist highly confidential. Die entsprechenden Investoren sitzen meist in Europa. Das Problem nun ist, dass die Europäer, wie Max mir erklärte, den Afrikanern nicht trauen würden - und deshalb über weisse, europäische Mittelmänner verhandelt werden müsse. Und ich, the Swiss guy, soll Mittelmann werden. „Why me?“, frage ich. „Why not?“, meint Max. „It’s a great job. Every second, third week we‘ll send you to Europe for two, three days, we pay the flight, the hotel, the food. You meet our business partners and the potential investors, you hand over the contract, make them sign. That’s it!“ Ich frage, ob das Ganze nicht arg gefährlich sei für ihn, für den Minister, für die Mittelmänner – immerhin findet dies alles in der Illegalität statt.“No, it’s not. This is Africa, my friend!“, antwortet Max. Ich solle mich bis morgen entscheiden, dann würden wir uns einige weitere Male treffen, bis ich schliesslich dem ominösen Minister vorgestellt und mit ihm dinieren würde und hierbei den Confidence Check zu bestehen hätte.
Max fuhr mich im Anschluss zurück zu meinem Hostel, unterwegs sprachen wir unter anderem über Politik. Max meinte hierzu: „Modern politics is just a facade in Africa. So you have to help yourself.“ Ich nickte. Max konnte hierüber lachen, ich nicht.
Montag, 30. März 2009
Samstag, 21. März 2009
Wo ist Zuhause?
Zuhause ist da wo die Rechnungen hinkommen.
Ferdinand Gerhard beantwortet Fragen, die die Menschheit seit langem beschäftigen. Diesmal unter gütiger Mithilfe einer Inspirationsquelle aus dem nördliche Nachbarland der nachts auf meinem Sofa Martini trank als ich nachts nach Hause kam.
Ferdinand Gerhard beantwortet Fragen, die die Menschheit seit langem beschäftigen. Diesmal unter gütiger Mithilfe einer Inspirationsquelle aus dem nördliche Nachbarland der nachts auf meinem Sofa Martini trank als ich nachts nach Hause kam.
Dienstag, 17. März 2009
Uganda, Miscellaneous III
Balkonbesuch. Dennis ist mein Nachbar. Ich habe ihn während meiner ersten Woche hier getroffen und wir sind Freunde geworden. Dennis ist Kenianer, aus der Nähe Nairobis stammend, Informatik und Business-Student an der Makerere. Er hat ein kleines Zimmer im Hostel nebenan, wo ich ihn ab und zu besuche. Meist jedoch besucht er mich. Nicht in meinem Zimmer, sondern drüben, auf dem Balkon. Er muss hierzu nur die Treppe vor seinem Zimmer raufzugehen, über die Baustelle des sich noch im Bau befindlichen letzten Stockwerks hinüber zu jener Stelle kommen, wo sich mein Balkon befindet, und meinen Namen rufen. Faaaaaabiiiiiaaaaaaaan. Oder auch: Iuuuurrregggg (für: Urech). Bin ich zuhause, geh ich raus und wir plaudern etwas. Ich auf meinem Balkon, er an die Stützpfeiler des unfertigen nächsten Stockwerks gelehnt, zwischen uns vielleicht drei Meter, wo es zwischen den beiden Gebäude 10, 15 Meter runtergeht. Ich mag diese Besuche, auch, wenn der gute Dennis auch schon mal samstags um 8 Uhr morgens Fabian-rufend am Balkon steht und mich aus den Federn holt. Bisweilen gehen wir dann eine Runde Billard spielen, oft treffen wir uns zum Fussballschauen, manchmal kommt er auch nur hoch um einfach hallo zu sagen. Ein guter Kerl. Und die Baustelle, die mir vor dem Fenster die Sicht nimmt, hat so doch noch was Gutes.
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Musevenis „Opfer ans Wohle des Landes“. Präsident Museveni, der seit bald 23 Jahren an der politischen Spitze Ugandas steht, hat vor zwei Wochen einige Änderungen in seinem 70 Minister umfassenden Kabinett (Kenya hat neurdings noch mehr und ist neue Nummer 1 in Afrika) bekanntgegeben. Die augenfälligste Mutation bzw. Neuernennung betraf den Ministerposten für die Region Karamoja, nordöstlich Kampalas an der Grenze zu Kenia liegend. Herr Museveni hat nicht allzu weit gesucht und den Posten durch seine Frau, die ehrenwerte First Lady Janet Museveni, besetzt. Eine Wahl, die verständlicherweise für einigen Wirbel sorgte. In einem BBC-Radiointerview rechtfertigte der Präsident seine Nominierung letzte Woche auf merklich amüsante Art und Weise, indem er sagte, er habe den Posten seiner Frau zugesprochen, weil ihn sonst niemand wollte – das Ganze sei eine Opferung der Familie zum Wohle des Landes. Man kann sich nun fragen, ob denn die gute Frau nicht tatsächlich das Zeug dazu hat, in der ärmlichen Region für Besserung zu sorgen. Sie sitzt seit einigen Jahren im Parlament und ist graduierte Makerere-Studentin. Der Vorsteher unserer Polito-Fakultät hat uns aber kürzlich erzählt, dass Frau Museveni nur einmal auf dem Campus gesehen wurde – zum Ablegen der finalen Masterprüfung. Diese habe im Büro des Universitäts-Dekans stattgefunden und kaum mehr als eine halbe Stunde gedauert…
Am Sonntag nun stand in der Zeitung, dass der Präsident seiner Gattin für ihre Aufgaben einen Helikopter schenken möchte. Diese belässt trotz ihrem neuen Amt ihren Wohnsitz in Kampala und benötigt daher, um auf den ungeteerten Schotterpisten raus nach Karamoja nicht unnötig Zeit zu verlieren, nun ein anderes, schnelleres Transportmittel...
Nach sieben Wochen Uganda möchte ich meiner Weihnachtswunschliste einen weiteren Namen hinzufügen: Yoweri Museveni.
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Heimweh? Als mich der Papa Peter kürzlich fragte, ob ich denn ab und zu Heimweh hätte, hab ich so spontan gar nicht zu antworten gewusst. Entsprechend kann mein Heimweh zumindest nicht akut sein, sonst wäre ich mir dessen ja bewusst. Jetzt, wo ich aber etwas weitergehend drüber nachdenke, merk ich, dass ich mein Zuhause doch ab und zu vermisse. Nicht in schmerzlicher oder nachhaltig bedrückender Art und Weise, sondern teilweise nur für einen Augenblick, dem Umstand entsprechend und wohl immer dann, wenn ich merke, dass ich eben hier doch nie zuhause bin oder sein werde. Da ist etwa der Sonntagmorgen, wenn ich aufstehe, das Zmorge mit Familie, Züpfe, gutem Kaffee und der Sonntagszeitung vermisse. Oder beim Kartenspielen mit anderen Austauschstudenten, wenn ich dran denke, wies war, mit meinen Freunden zu jassen, dazu ein Glas Wein zu trinken und unbeschwert zu plaudern, zu erzählen, zu sein. Auch fehlt mir meine Sprache, das Schweizerdeutsch, sagen zu können, was man denkt, wie mans denkt – und dabei verstanden zu werden. Oder auch teilweise kleine Details, wie das frische Brot im Supermarkt, vielleicht mal ein Rivella, die Gewissheit, Teil von dem zu sein, das um einem ist, verstanden zu werden, verstehen zu können. Ja, die Schweiz ist kein schlechtes Zuhause. Werd gleich mal die Nationalhymne anstimmen...
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Musevenis „Opfer ans Wohle des Landes“. Präsident Museveni, der seit bald 23 Jahren an der politischen Spitze Ugandas steht, hat vor zwei Wochen einige Änderungen in seinem 70 Minister umfassenden Kabinett (Kenya hat neurdings noch mehr und ist neue Nummer 1 in Afrika) bekanntgegeben. Die augenfälligste Mutation bzw. Neuernennung betraf den Ministerposten für die Region Karamoja, nordöstlich Kampalas an der Grenze zu Kenia liegend. Herr Museveni hat nicht allzu weit gesucht und den Posten durch seine Frau, die ehrenwerte First Lady Janet Museveni, besetzt. Eine Wahl, die verständlicherweise für einigen Wirbel sorgte. In einem BBC-Radiointerview rechtfertigte der Präsident seine Nominierung letzte Woche auf merklich amüsante Art und Weise, indem er sagte, er habe den Posten seiner Frau zugesprochen, weil ihn sonst niemand wollte – das Ganze sei eine Opferung der Familie zum Wohle des Landes. Man kann sich nun fragen, ob denn die gute Frau nicht tatsächlich das Zeug dazu hat, in der ärmlichen Region für Besserung zu sorgen. Sie sitzt seit einigen Jahren im Parlament und ist graduierte Makerere-Studentin. Der Vorsteher unserer Polito-Fakultät hat uns aber kürzlich erzählt, dass Frau Museveni nur einmal auf dem Campus gesehen wurde – zum Ablegen der finalen Masterprüfung. Diese habe im Büro des Universitäts-Dekans stattgefunden und kaum mehr als eine halbe Stunde gedauert…
Am Sonntag nun stand in der Zeitung, dass der Präsident seiner Gattin für ihre Aufgaben einen Helikopter schenken möchte. Diese belässt trotz ihrem neuen Amt ihren Wohnsitz in Kampala und benötigt daher, um auf den ungeteerten Schotterpisten raus nach Karamoja nicht unnötig Zeit zu verlieren, nun ein anderes, schnelleres Transportmittel...
Nach sieben Wochen Uganda möchte ich meiner Weihnachtswunschliste einen weiteren Namen hinzufügen: Yoweri Museveni.
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Heimweh? Als mich der Papa Peter kürzlich fragte, ob ich denn ab und zu Heimweh hätte, hab ich so spontan gar nicht zu antworten gewusst. Entsprechend kann mein Heimweh zumindest nicht akut sein, sonst wäre ich mir dessen ja bewusst. Jetzt, wo ich aber etwas weitergehend drüber nachdenke, merk ich, dass ich mein Zuhause doch ab und zu vermisse. Nicht in schmerzlicher oder nachhaltig bedrückender Art und Weise, sondern teilweise nur für einen Augenblick, dem Umstand entsprechend und wohl immer dann, wenn ich merke, dass ich eben hier doch nie zuhause bin oder sein werde. Da ist etwa der Sonntagmorgen, wenn ich aufstehe, das Zmorge mit Familie, Züpfe, gutem Kaffee und der Sonntagszeitung vermisse. Oder beim Kartenspielen mit anderen Austauschstudenten, wenn ich dran denke, wies war, mit meinen Freunden zu jassen, dazu ein Glas Wein zu trinken und unbeschwert zu plaudern, zu erzählen, zu sein. Auch fehlt mir meine Sprache, das Schweizerdeutsch, sagen zu können, was man denkt, wie mans denkt – und dabei verstanden zu werden. Oder auch teilweise kleine Details, wie das frische Brot im Supermarkt, vielleicht mal ein Rivella, die Gewissheit, Teil von dem zu sein, das um einem ist, verstanden zu werden, verstehen zu können. Ja, die Schweiz ist kein schlechtes Zuhause. Werd gleich mal die Nationalhymne anstimmen...
Sonntag, 15. März 2009
Freitag, 13. März 2009
Mittwoch, 11. März 2009
Uganda, Miscellaneous II
Obama. „How is Obama?“, lautet die häufige Frage. Sie ist an mich gerichtet; täglich aufs Neue, irgendwo auf der Strasse, beim Vorbeigehen. Was antworten? Ich bin nicht Amerikaner. Aber eben weiss, was in der afrikanischen Konzeption des „Mzungus“ oft aufs Gleiche hinausläuft. Ja, der neue Mann an der globalen Spitze ist wichtig für Afrika. Er ist der neue Mandela, der neue Annan, er ist Symbolfigur und verkörpert jenes, was Afrika dringend bräuchte – Führungsstärke, Weitsicht, Intelligenz. Unser Professor hat kürzlich gemeint, Obama sei der erste legitim-demokratisch gewählte afrikanische Präsident. Das war ein Witz. Oder doch nicht?
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The Pearl of Africa. „Uganda is alive by itself. It… ought in the course of time to become the most prosperous of all our East and Central African possessions, and perhaps the financial driving wheel of all this part of the world… My counsel plainly is: ‘Concentrate upon Uganda’ No where else will the result be more brilliant, more substantial, more rapidly realized.” Winston Churchill, 1904. Soviel zum Potential dieses Landes. Was daraus gemacht wird, sehe ich von meinem Balkon aus beim Blick runter über die Wellblechdächer der ausgedehnten Wandegeya-Slums. Eine Tragödie.
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Der Storch. Der Storch ist der inoffizielle Herrscher des Makerere-Campus‘. Zumindest in ugandischer Version eine recht schmucklose, wenn auch amüsante Spezies, immerzu klappernd und trotz stattlicher Postur erstaunlich flieggewandt ist der Storch überall anzutreffen, morgens wie abends, meist in kleineren Scharen zu etwa einem Dutzend. Ich mag den Storch. Er ist friedlich und irgendwie etwas ungelenk-unbeholfen. Er isst, was ihm vor dem Schnabel liegt und scheint stets zufrieden. Ein bescheidenes Tier. Seit heute schmückt eine grosse Storchenfeder meine Zimmerwand.
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Sauberkeit. Weshalb seid ihr Westler eigentlich stets so dreckig? Diese Frage ist ernst gemeint. Und ich hab sie nicht erst ein Mal gehört. Die lokale Studentenschaft legt – ich hab’s in meinem Hemden-Beitrag bereits kurz erörtert – viel Wert aufs Äussere. Entsprechend wichtig ist Sauberkeit. Die meisten Studenten tragen Putztücher mit sich, um die Sitzfläche des Stuhls im Hörsaal vorsichtig abzuwischen, bevor man sich draufsetzt. Und wenn ich jeweils meinen Rucksack neben mich an den Boden stelle, wird er auch schon mal mit unverständlichem, jedoch freundlichem Kopfschütteln aufgehoben und auf einen (abgewischten) Stuhl gelegt.
Gegensätzliches ist jedoch bezüglich der Nahrungsmittelhygiene zu beobachten. Da scheint’s wiederum niemanden zu stören, wenn die Mücken und Fliegen sich an unserem Mahl mitbedienen. Das soll mal einer verstehen…
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Rasenmäher. Noch immer fallen viele Vorlesungen aus. Ohne Vorankündigung, einfach so. Niemand taucht auf, also geht man wieder nach Hause, einen Tee trinken oder plaudert ein wenig. Diese ganze Unverbindlichkeit ertrage ich an manchen Tagen besser, an manchen Tagen aber reg ich mich auf und finde es – basierend auf meinem Schweizer Werteverständnis – schlicht respektlos, uns so häufig und in vollstem Bewusstsein vergebens warten zu lassen. Interessant, dass gerade jener Professor, der uns in Ethik unterrichtet, allermeist nicht zum Unterricht erscheint - unangekündigt.
Es gibt allerdings auch andere Gründe, die dazu führen können, dass eine Vorlesung nicht stattfinden kann oder abgebrochen werden muss. Einer hiervon sind die Rasenmäher. Die Makerere verfügt über eine recht fleissige Mannschaft von Gärtnern, die den Campus in einem tatsächlich sehr behaglichen Zustand erhalten. Natürlich werden hierbei auch die Rasen gemäht – und hiervon gibt’s im tropischen Uganda viele. Wenn jedoch der Rasen vor unsere Fakultät zur Unterrichtszeit geschoren wird, hat das gewisse Nachteile. Die benutzten Rasenmäher sind nämlich derart laut, dass man in den Hörsälen – im ewig-sommerlichen Uganda gibt’s keine schalldämpfenden Fenster – sein eigenes Wort nicht mehr versteht. Und auch wenn die Klasse sehr nahe zusammenrückt – der Professor ist nicht mehr zu verstehen. Und der Unterricht hiermit zu Ende.
Sonntag, 8. März 2009
Fragestunde von Onkel Andi
Kirgistan und Kasachstan inklusive Kulturschock und Klimasorgen oder Europa inklusive strammen Waden oder Alpsommer inklusive strammem Geruch?
Reading inklusive Karriere, Englisch und leerem Portemonnaie oder Berlin inklusive Kebab und deutschen Würstchen oder Hohenheim inklusive Suttgart oder Montpellier inklusive frankophoner Unikultur?
Ist ein Praktikum bei Nestle verwerflich oder kann man etwas kritisieren und dann dort ein Praktikum machen?
Wieso bekomme ich die Pferdewoche zugeschickt?
Wieso kommt auf Facebook bei meinem Profil Werbung zum Abnehmen obschon ich gerade eineinhalb Monate in Kur war?
Soll ich mehr Grounds machen als rupeli, oder ist er dann traurig und wütend?
Lieber einen Boten zu Pferd schicken oder ein SMS oder an die Facebook-Pinwandposten?
Sich lieber auf Facebook oder auf einem schlechten Blog oder auf einem guten Blog oder auf einem Blog oder am Donnerstag im Stuz oder am Freitag im Kaufi selbstinszenieren?
Danke für Ihre Hilfe.
Reading inklusive Karriere, Englisch und leerem Portemonnaie oder Berlin inklusive Kebab und deutschen Würstchen oder Hohenheim inklusive Suttgart oder Montpellier inklusive frankophoner Unikultur?
Ist ein Praktikum bei Nestle verwerflich oder kann man etwas kritisieren und dann dort ein Praktikum machen?
Wieso bekomme ich die Pferdewoche zugeschickt?
Wieso kommt auf Facebook bei meinem Profil Werbung zum Abnehmen obschon ich gerade eineinhalb Monate in Kur war?
Soll ich mehr Grounds machen als rupeli, oder ist er dann traurig und wütend?
Lieber einen Boten zu Pferd schicken oder ein SMS oder an die Facebook-Pinwandposten?
Sich lieber auf Facebook oder auf einem schlechten Blog oder auf einem guten Blog oder auf einem Blog oder am Donnerstag im Stuz oder am Freitag im Kaufi selbstinszenieren?
Danke für Ihre Hilfe.
Freitag, 6. März 2009
Uganda I
Weites Land schreibt Geschichte ins Gemüt
Und färbt sich rot in weisse Herzen
Weil Abend s‘wird, und dunkel, schwarz
Verwelket alles im seichten Trommelwirbel
Der Weltgeschichte.
---
Aufbruch zu neuen, erweiterten Ufer
(ohne jedoch hier abzuspringen...).
Weites Land schreibt Geschichte ins Gemüt
Und färbt sich rot in weisse Herzen
Weil Abend s‘wird, und dunkel, schwarz
Verwelket alles im seichten Trommelwirbel
Der Weltgeschichte.
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Aufbruch zu neuen, erweiterten Ufer
(ohne jedoch hier abzuspringen...).
Mittwoch, 4. März 2009
Uganda, Miscellaneous I
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Die Schweiz in der Vorstellung des typischen Makerere-Studenten. Die Schweiz ist den meisten Studenten ein Begriff hier. Scheinbar wird in der Vorschule im Geographieunterreicht unter anderem die Schweiz behandelt, vorwiegend der Alpen wegen. Ansonsten weiss man ungefähr Folgendes über uns: Uhren, Reichtum, Berge und Kälte, Djourou und Senderos. Käse und Schweizer Schoggi werden hier nicht verkauft, es sind die englischen, nicht die Schweizer Banken, die den ugandischen Markt prägen, Tennis und Federer werden kaum mitverfolgt und der politische Sonderfall Schweiz ist ebenfalls weitgehend unbekannt. Man kennt Geneva, vielleicht auch Zürich, nie jedoch Bern. Man kennt mindestens zwei Schweizer Fussballer (die Hälfte aller Ugander sind Arsenal-Supporter), vielleicht auch den FC Basel. Und meist kommt nach der Frage nach meiner Herkunft bald schon die Feststellung: „It’s a very peaceful country“. Das mag stimmen; insbesondere, wenn man aus afrikanischer Perspektive nach Europa rüberblickt.
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Premier League. Das Wochenende des ugandischen Herrn ist meist unmittelbar mit Fussball - englischem Fussball - verknüpft. Und da die Organisatoren der Premier League die Spiele gestaffelt ansetzen, ist es für den geneigten Fussballfan möglich, den ganzen Samstag wie auch weite Teile des Sonntags vor der Glotze zu verbringen. Als veritable Strassenfeger manifestieren sich jedoch nur die Spiele von ManU, Arsenal, Liverpool oder Chelsea. Spielen sie, ist nicht nur in den unzähligen Sportbars im Quartier, sondern auch vor den zwei Fernsehern im Hostel ordentlich was los. Man kennt die Spieler, die Tabellensituation, die Stärken und Schwächen der spielenden Teams. Ein Expertentreffen. Und selbstverständlich lässt man sich auch die Champions-League-Partien, die hier erst um 23 Uhr beginnen, nicht entgehen. Die Premier League ist ein Imperium. Sogar meine koreanischen und japanischen Mitstudenten kennen den Kader von Arsenal besser als ich…
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Rolex und Nile. Ugandisches Essen ist recht langweilig. Cassava, eine fade Wurzel, Posho, eine Art Süsskartoffel, Matooke, gemantschter Kochbananenbrei und schliesslich Reis stellen die Hauptspeisen dar. Dazu gibt’s Bohnen, Hühnchen, Rind oder Erdnusssauce. Und Chips, also Pommes Frites. Pasta ist nur in den besseren Restaurants erhältlich. Zum Glück aber gibt’s zudem Rolex, der ugandische Falafel! Ein Cabati (Fladenbrot) mit einer Ei/Tomaten/ Zwiebel/Avocado/Kabis-Füllung. 800 Schilling, 40 Rappen. Das soll zwar, wie die europäischen Austauschstudentinnen öfters klagen, aufgrund des hohen Fett- bzw. Ölgehalts dick machen, schmeckt aber trotzdem gut bzw. besser als vieles, was man hier sonst so kriegt.
Überzeugender kommt da schon das lokale Angebot an Getränken, namentlich an Bier, daher. Landesweiter Favorit ist das Nile-Beer, gebraut mit Nil-Quellwasser. Es schlägt nicht nur die lokale Konkurrenz (Club und Bell), sondern auch die meisten Schweizer Biere um Längen.
Getränketechnischer Höhepunkt des bisherigen Aufenthalts war denn auch zweifellos der Genuss eines Nile-Biers an der Quelle des Nils. Auf obigem Bild wurde der bedeutende Moment fotografisch festgehalten.
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Von überzogener Selbstkritik zur verblendeten Selbstliebe. Die Qualität der von mir belegten Kurse variiert stark. Und nicht nur sind grosse Unterschiede bezüglich der rhetorischen, pädagogischen und intellektuellen Fähigkeiten der Lecturer auszumachen, sondern genauso werden recht unterschiedliche Inhalts- und Denkansätze vermittelt. Während unser Social Anthropology-Lecturer auf haarsträubend unsachliche und generalisierende Art alle Mzungus (Weisse) für die Probleme Afrikas verantwortlich macht und mir durch seine Arroganz und Ignoranz regelmässig die Laune versaut, suchen und sehen etwa die Politologie-Professoren die primären Ursachen der Misere vorwiegend bei sich selbst. Die Selbstkritik ist teilweise aber derart scharf und fundamental, dass sie beinahe schon ins Rassistische übergeht. Eine Art afrikanischer Eurozentrismus, der in dieser Form ebenfalls kaum zur Besserung der Probleme beitragen dürfte. Auf diesem riesigen Meinungsbuffet irgendwas Wahres zu finden ist schwierig. Und die Verlockung, sich von den süssen Düften der einfachen Erklärungen und Lösungsansätze verführen zu lassen gross.
Abschliessend noch einen Verweis auf diesen Text.
Freitag, 27. Februar 2009
1042 Stunden in Côte d'Ivoire
Ich mag Côte d'Ivoire. On est là, on est ensemble. Das sind Schlagworte in diesem Land. On est ensemble. Ja, die Atmosphäre in diesem Land ist wirklich beeindruckend. Ca bouge, ca bouge! Schauen sie mal wie die Sugu tanzen, Ai. C'est la fête. Die Rue de Princess in Abidjan ist so etwas wie der Kiez von Westafrika. Da kann man jederzeit und jedentags tanzen gehen, und da die Strassensperre um ins Centre zu gelangen erst um sechs Uhr morgens öffnet ist man um Mitternacht stets gezwungen eine Entscheidung zu treffen. Man wird hier nie hören, ca va mal. Ca va au moins un peu, und ca va aller. Ca va toujours aller. Dies kann durchaus auch seine Schattenseiten haben, denn die Lastwagen besispielsweise gehen dann nicht mehr immer wie gewünscht und ich habe in der kurzen Zeit hier wohl mehr Unfälle gesehen als in meinem ganzen vorherigen Leben. Mais on est la! On est ensemlbe; Vielleicht sollten alle Feministinnen mal hier hin kommen, das ist ein reiches Pflaster. Stundenlang können sie mit den Männern diskutieren, wieso es gut und nötig und sowieso vorbestimmt ist, dass jeder Mann nebst seiner Frau noch ein par camerades hat. Ich kann mir das demographisch immer noch nicht ganz erklären; denn ist man Ehefrau ist man nicht mehr camerade. Nun, ich gehe gerne nach Hause um etwas anständiges zu Essen, um alles Essen zu können und nicht andauernd krank zu werden, um der Hitze zu entfliehen und nicht mehr in einer Welt ab der Welt zu leben. Aber ich werde zurückkommen. Und dann noch dies, wie kommt es, dass Menschen, die 50.- im Monat verdienen, ihren Fisch nicht verkaufen können, weil die Carpe chinoise billiger sind?
Mittwoch, 25. Februar 2009
I am a groundhopper
Groundhopper, das sind die Leute, dessen (manchmal einziges) Lebensziel es ist, in möglichst vielen verschiedenen Stadien verschiedener Länder der Welt Fussballspiele zu sehen. Der Fussball an sich wird dabei Nebensache, es geht um den Ground (behaupten zumindest böse Zungen). Es gibt dann also Grounds und Länderpunkte und weiss nicht was noch. Jedenfalls sollte man die grossen der Ligen schon komplett haben (das hei beispielsweise in England die erste und die zweite Liga) um ein Groundhopper Leben geführt zu haben. Wie unschwer zu erahnen ist, sind Groundhopper Spezialisten für Billigflüge, Billighotels und durchgezechte Nächte. Nun, jedenfalls bin ich als nach Côte d'Ivoire gekommen, natürlich um einen Gorund zu machen. Das ist dann ein guter Ground; kann man glaub so sagen. Letzten Sonntag war es soweit, das Eröffnungsspiel des Championnat africains des nations des locaux (Also einfach der Afrikacup der Nationalmannschaften mit ausschliesslich in Afrika spielenden Spielern) stand auf dem Programm.
Der Eintritt war zur Feier gratis, was einen entsprechenden Ansturm und demzufolge geschlossene Türen und aggressive Polizisten zum Zeitpunkt unserer Ankunft zur Folge hatte. Ein echter Groundhopper lässt sich von solchen Nebensächlichkeiten jedoch nicht aufhalten und sucht sich einen homo economicus in Uniform. Im Stadion war es eher eng und wenn die Menge stampfte kamen einem schon mal Bilder von eingestürzten Tribünen in den Sinn.
Nun, nachdem auch noch der Präsident seinen Senf dazu gegeben hatte und die militärische Eröffnungszeremonie beendet war, konnte endlich Fussball gespielt werden. Das Niveau kann man getrost mit der Challenge League vergleichen. Die Côte d'Ivoire verlor denn auch prompt 3 zu 0 gegen den Fussballzwergen Zambia. Unterhaltsam war es allenfalls und ich fühlte mich denn auch gar nicht als Verlierer zwischen all den Einheimischen; Bereits beim 1 zu 0 der Zambier jubelte das ganze Stadion und die Sympathien des ganzen Stadien wurden mit jedem Tor deutlicher zur "gegnerischen" Seite transferiert. Man kann dies auch Life managment in schwierigen Situationen nennen; Das meistern die Menschen hier exzellent, jeden Tag!
Ich habe übrigens jetzt gleich viele Länderpunkte wie Kollege rupeli, er ist ein echter Groundhopper. Deshalb ist er gerade auf Portugal und Spanien Tour.
Dienstag, 24. Februar 2009
Die unbesiegbaren Verlierer
Und am Ende wird trotzdem gelacht. Die zahllosen Diskussionen um Gründe und Ursache des tragischen Schicksals Afrikas haben trotz ihrer Vielseitigkeit eins gemeinsam: ihren Humor. Die Afrikaner sind nicht unterzukriegen, sie sind keine notorischen Schwarzmaler – Obamas „Audacity of Hope“ birgt in seinem Kern tatsächlich etwas Urafrikanisches. Täglich gelangen wir, sei es während der Vorlesung, bei einem Tee oder auch mal ganz Nebenbei, zur Frage nach dem Warum. Warum steckt Afrika in der Misere? Diese immer wiederkehrenden Fragen und die daraus hervorgehenden Erklärungen und Lösungsvorschläge sind mir nicht neu. Sie werden in Europa genauso diskutiert, an der Uni etwa, aber auch in den Medien oder im Freundeskreis. Hier jedoch erlangt die Diskussion einen völlig anderen Bezug, findet unter gänzlich anderen Vorzeichen statt. Die Menschen, die uns gegenübersitzen und mit uns übers Weshalb und Wieso werweissen, sind keine aussenstehenden, aus weiter Ferne beurteilenden Europäer, sondern die Betroffenen selbst, Mitmenschen, deren Namen du kennst, die dir in ihrer afrikanischen, von Offenheit und Herzlichkeit geprägten Art sympathisch sind. Manchmal mag es mir fast so erscheinen, als hätte ich in einsamer Kammer jahrelang Kriegsstrategien studiert, ohne die Front zu kennen - und ihre Soldaten. Die Theorie basiert auf Mathematik und Logos, die Welt jedoch besteht nicht aus Zahlen. Die Front ist hier; und du, plötzlich mittendrin, deinen Büchern entrissen und von der alltäglichen, unmittelbaren Widersprüchlichkeit der Welt erfasst, hörst staunend, bedrückt zu und fühlst dich mit deinem Lehrbuchwissen reichlich fremd und deplaziert.Zuhörend und lernend sitze ich also da und ergänze mein sanftgebettetes schweizerisches Weltbild mit den Ecken und Kanten der globalen Realität. Und langsam fügt sich, Tag um Tag, ein verändertes, die schwarzgrauen Strukturen der Theorie um Farbtöne erweitertes Verständnismuster zusammen, aus tausend Teilen bestehend, manchmal tragisch und ernüchternd, dann wieder hoffnungsfroh und ermutigend.
Warum? Auf diese eine Frage gibt’s dutzende Antworten, die je nach Gesprächspartner, dessen soziale und wirtschaftliche Stellung, Religiosität und Bildung recht stark variieren. Lachen jedoch tun sie alle. Diese unbedingte, nicht mal künstlich wirkende Leichtigkeit des Seins erstaunt in Anbetracht der Misere, mit der sich die Menschen hier täglich aufs Neue konfrontiert sehen. Und trotz aller Bewunderung hierfür bleibt am Ende immer auch die Frage: Ist dies Lachen nicht allzu oft auch die bequemere Alternative zum Handeln?
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Nach zwei Wochen Uni ist vieles weiterhin unklar. Einige Kurse haben noch immer nicht begonnen, andere werden verschoben und kollidieren nun mit anderen Veranstaltungen, sodass mein Stundenplan täglich umstrukturiert wird und eine alltägliche Routine noch kaum einkehren konnte. Nur ist das hier scheinbar kaum Anlass zur Sorge, sondern schlicht normal und der akademischen Alltäglichkeit entsprechend. Im europäischen Quervergleich ist das universitäre Umfeld hier weniger stark geprägt von einer sachlich-formellen, auf Prinzipien der Respektzollung und recht strikten Hierarchie fussenden Atmosphäre, die ich mir während den letzten zweieinhalb Jahren zuerst in Zürich, dann in Brüssel verinnerlichte.
Das Verhältnis zwischen Studentenschaft und Lehrenden ist locker und freundschaftlich, man spricht sich mit Vornamen an, trinkt nach der Vorlesung auch mal einen Tee zusammen und während der Kurse gibt’s – was der Unterrichtsqualität bestimmt nicht immer förderlich ist – einiges Persönliches zu erzählen und stets vieles zu lachen. Neulich sass ich über eine Stunde im Büro eines Professors und habe mich mit ihm über seine Kinder unterhalten. Als europäischer Austauschstudent wird man zudem auch mit dem Dean seines Departments bekannt gemacht, wodurch ich als kleiner Bachelorstudent bereits mit drei Departmentssoberhäupter (Political Science, Social Anthropology, Geography) einen Schwatz hielt und mich dabei immer seltsam prominent und stets sehr weiss fühlte.
Die Qualität der Kurse ist wie Zuhause in beträchtlichem Umfang vom Professor abhängig und variiert entsprechend stark. Während einige Dozierende mehr als Komiker denn als Wissenschaftler auftreten, scheinen andere sehr kompetent und legen Wert auf einen vielfältigen, seriösen und interaktiven Wissensaustausch. Natürlich bewegt man sich zumindest an der Social Science-Fakultät noch weit entfernt von Powerpoint basierten Seminaren und einer virtuellen Lernumgebung. Nicht desto trotz kriegt man sein Diplom hier nicht umsonst. Die Politologie-Studenten verfügen auf meiner Stufe über ein solides und recht breites Grundwissen, sind über die Entwicklungen der USA sowie der Europäischen Union genauso informiert wie über die Hintergründe und Aktualitäten in Somalia, im Kongo oder in Simbabwe und vermögen zudem andere wie auch ihre eigenen Machthaber mit erstaunlicher Schärfe und Weitblick zu kritisieren.
Und so gleicht sich also unter der Oberfläche doch erstaunlich vieles, was beim ersten Hingucken anders, exotisch und ungewohnt schien. Nicht, dass die Missverständnisse ausblieben und man sich auch mal beim innerlichen Kopfschütteln beobachtet, unverstanden oder angegriffen fühlte. Die Einsicht, dass ein Verstehen, dass Brücken zwischen verschiedenen Welten und Kulturen möglich sind, ist aber letztlich jenes, was mich heute auf dieser Reise, auf der ich kein Durchreisender, sondern vielmehr Mitbewohner und also zumindest vorübergehend Teil eines lokalen Alltags bin, ermutigt und hoffnungsfroh stimmt.
Als ich gestern mit Volker, einem deutschen Austauschstudenten sowie Elisha und Michael, zwei kenianischen Mitstudenten, auf einem der vielen Hügeln Kampalas sass (Bild) und auf die ausgedehnten Quartiere der Stadt hinunterblickte, sagte Ersterer zu mir: „Bevor ich hierher kam dachte ich mir, alles würde anders sein. Nun sitzen wir hier neben grasenden Kühen, blicken zusammen mit zwei Freunden in die Ferne, essen unser Zvieri, sprechen über Gott und die Welt und erfreuen uns des freien Sonntags. Genau so stelle ich mir das Wandern in der Schweiz vor“.
Samstag, 14. Februar 2009
Eka wali watya? – How is your home?
Zurück in meiner kleinen Bleibe koche ich mir einen ugandischen Kaffee und versuche, die eben gelernten Luganda-Vokabeln in Erinnerung zu rufen. Beigebracht hat sie mir Staven, ein ugandischer Mitstudent (in social anthropology), der mir die hiesige (meistverbreitete) Landessprache zu lehren versucht, während ich ihm ein wenig Deutsch beibringe.Die erste Uni-Woche ist mit dem heutigen Tag (in Uganda beginnt das Studenten-Wochenende erst am Sonntag) zu Ende gegangen; Zeit, kurz zurückzublicken und auf diesem Wege ein paar gewonnene Eindrücke nachhause zu tragen.
Kampala ist wie Rom und Istanbul auf sieben Hügeln gebaut worden, wobei auf der westlichsten Anhöhe der Campus der Makerere University zu finden ist. Das Uni-Gelände, das gleich neben meiner Unterkunft liegt, gleicht einem ausgedehnten, grünen Park, der sich über die umliegenden Quartiere erhebt und so gleichzeitig Knoten- und Treffpunkt dieser darstellt. Unzählige Gebäude, Fakultäten, Studentenunterkünfte, Restaurants, Strassen, Wege, Pfade und Beschilderungen sowie ein multikulturelles Sammelsurium von weit über 30 000 Studenten, Lehrenden, Forschenden, aber auch Geissen, Affen und unzähligen Störchen ergeben in ihrer Übereinkunft das etwas chaotische, sehr lebhafte und doch müssige, fast durchwegs sympathische Bild dieser afrikanischen Universität.
Die meisten der von mir gewählten Kurse – Ort und Lokalität ihrer Durchführung sind nicht etwa im Internet abzurufen, sondern auf einer zentralen Tafel auf dem Campus vermerkt – werden, so wurde bald offenbar, erst nächste Woche beginnen. „The professors are either still in their honeymoon or just lazy“, meinten meine Mitstudenten. Tatsächlich scheint’s durchaus nicht ungewöhnlich zu sein, dass die Studentenschaft öfters und gerade während den ersten Wochen vergebens auf die Lehrkraft wartet - oder aber die Lehrperson einen leeren Saal vorfindet, wie das heute geschah, als sich ein wartender Professor bei mir und Staven über das Verbleiben seiner Studenten erkundete.
So hab ich diese Woche denn auch vorwiegend eins getan: gewartet. Dies jedoch nicht allein, sondern meist zusammen mit einigen andern, ähnlich optimistischen Mitstudenten, deren Bekanntschaft ich bereits während dieser ersten Woche sehr zu schätzen gelernt habe. Die Studentenschaft besteht hier, nebst einigen Kongolesen, Ruandern oder Tansanier vorwiegend aus Kenianern und Ugandern. Diese haben in äusserst freundlicher, offener und neugieriger Art die Anwesenheit eines Mzungus (Weissen) im Hörsaal zur Kenntnis genommen und mich, wie auch zwei Norwegerinnen, mit denen ich einige Kurse absolviere, bald schon in ihren Kreis der afrikanischen Politologen eingeführt. Es ist denn auch eine andere, neue und durchwegs erfreuliche Seite Afrikas, die ich hier erleben und entdecken darf. Die besten Studenten Ostafrikas, die sich auf dem Makerere-Hügel Kampalas zusammenfinden, stellen einen interessanten Kontrast zu den Ugandern und Afrikanern dar, die ich hier auf dem Markt und in den umliegenden Dörfern treffe – und die ich zuvor auf den beiden Reisen in Westafrika traf. Erstaunlich denn wie offen, unverhofft und deutlich die Kritik der (staatlich bezahlten) Lehrkräfte und Studenten Richtung Regierung und politischer Elite geht. Erstaunlich, welch Potential und lebendiger Wille in dieser gebildeten Schicht auszumachen ist. Und erfreulich auch, dass sich diese Dynamik mit dem Stolz verbindet, Afrikaner zu sein, hier, in seiner Heimat, die Dinge zum Besseren verändern zu wollen.
Die bereits stattfindenden Kurse (z.Bsp. „African International Relations“ oder „Conflict Management and Peace Keeping“) haben (in pädagogischer Hinsicht) in etwa jenem entsprochen, was ich erwartet hatte: viel Frontalunterricht und primär Wissensübermittlung (anstelle der in der Schweiz geschätzten reflexiven Wissensaneignung) – Phänomene, denen ich in Brüssel in ähnlicher Form bereits begegnet bin, die hier aber auch aufgrund der mangelnden technischen Möglichkeiten noch ausgeprägter vorzufinden sind. Leider ist die Social Science-Fakultät, an die auch unser Politik-Department angegliedert ist, das älteste Gebäude auf dem Campus und sieht neben den neuen, modernen IT-Fakultäten doch etwas schäbig aus. Nichts desto trotz strahlen die Räumlichkeiten einen gewissen afrikanischen Charme aus und erinnern aufgrund ihrer Architektur etwa an alte Kolonialbauten.
Ja, es gefällt mir hier. Jeder Tag bringt neue Überraschungen, neue Menschen, mit denen man ein paar Worte wechselt oder auch mal ein Tee trinken geht. Nach und nach erschliesst sich mir diese neue, unbekannte Welt zu einem Konstrukt aus kleinen, mit jedem Tag weniger fremden Teilen, aus bekannten Gesichtern, gewonnenen Freunden, bekannten Wegen, Gebäuden, einigen Sätzen in der neuen Sprache, der wichtigen Empfindung, Willkommen zu sein und einem eigenen Zimmer schliesslich, als Ort der Ruhe und des Rückzugs. All das, so hoffe ich, schliesst sich alsbald denn zum Gefühl des Zuhauseseins zusammen, auch, wenn Zuhausesein vorübergehend noch stets ein temporärer Zustand, ein dynamischer Prozess ist – und vorerst bleiben muss.
Abschliessend bleibt mir nur, allen einen recht schönen Valentinstag zu wünschen. Dieser kommt hier einem nationalen Grossereignis gleich, füllt alle Zeitungen und ist seit Mitte Woche erstes Gesprächsthema. „Red Pepper“, das lokale Boulevardblatt, empfiehlt dem Mann dieses Jahr, seine Liebste mit Selbstgemachtem zu überraschen: „Many babes would agree that all the gold and diamonds in the world is no match for a painting, a card and a handmade accessory.“ Der Postmaterialismus hat Afrika erreicht.
Bild: Blick von einem Balkon unseres Hostels bei Sonnenuntergang.
Mittwoch, 11. Februar 2009
Dienstag, 10. Februar 2009
Rekord
Gestern war Uni-Start, worüber ich Ende Woche noch ausführlicher zu berichten beabsichtige. Vielleicht find ich bis dahin auch mal eine Internetverbindung, die es mir erlaubt, einige Fotos hochzuladen.
Samstag, 7. Februar 2009
Freitag, 6. Februar 2009
Angekommen
Wenn ich abends einen Moment auf meinem kleinen Balkon verweile und die letzten, noch immer kräftigen Sonnenstrahlen geniesse, kommt mir das Ganze hier bisweilen etwas unwirklich vor. Plötzlich also bin ich hier, atme afrikanische Luft und bin realer Teil eines Alltags, den ich mir aus der Ferne nur schwer auszumahlen vermochte. Es ist heiss hier, feucht, recht laut und chaotisch, das afrikanische Leben auf der Strasse setzt einen gewaltigen Kontrast zur winterlichen Stimmung zuhause. Seit drei Tagen wohne ich im Akamwesi-Hostel, meinem neuen Heim, einem recht ansehnlichen Studenten-Wohnkomplex nahe des Campus‘. Mein Zimmer im vierten Stock verfügt über ein Bett, einen kleinen Tisch, einen Schrank und ein eigenes Bad, es lässt sich‘s gut leben hier. Die Uni beginnt nächsten Montag, sodass die ausgedehnten Stadtspaziergänge, die ich in den vergangenen Tagen unternommen habe, vorerst aufs Wochenende verlegt werden und denn bald auch die alltägliche Routine des Studentenlebens einkehren wird. Im Übrigen bin ich nicht der einzige Europäer, der die Idee eines Austausches an der Makerere hatte. Hier im Hostel hab ich bereits Norweger, Deutsche, Österreicher, aber auch einige Koreaner und Chinesen getroffen. Sie bilden zusammen mit den vielen Ugandern, Kenianer, Ruandern, Kongolesen, Liberianer, Sudanesen und Tansanier die bunt durchmischte Gruppe meiner Mitbewohner. Soweit bisher, Weiteres wird bald schon folgen. Ich geh jetzt essen. In der hosteleigenen Kantine gibt’s Bohnen und Reis, für 1300 Shilling, das sind 70 Rappen. E Guete!
Mittwoch, 4. Februar 2009
je suis touriste I
Um mein grosses Heimweh zu stillen habe ich gestern kurz vatikanisches Staatsgebiet besucht. Die Basilika Notre-Dame de la Paix steht in Yamoussoukro, der (politischen) Hauptstadt der Cote d'Ivoire. Die Basilika ist ein Geschenk der Gattin von Houphouet-Boigny (der war übrigens Agronom) an den Vatikan. Aufgrund der hohen Temperaturen konnte ich des Weiteren nur noch die Maquis der Stadt besuchen.
Samstag, 31. Januar 2009
je suis ivorien II
Stellen sie sich vor, dass sie sich im Ministère de la peche herumtreiben. Sie suchen da also eine für Statistiken verantwortliche Person und fragen in irgendeinem Büro bei irgendeinem Herrn. Ganz bestimmt wird dieser sie bitten sich hinzusetzen, auf seinem Block (vorzugsweise A5) ihren Namen, ihr Projekt und was man sonst noch so fragen kann notieren, um Ihnen kurz darauf mitzuteilen, dass er da nichts wisse. (Die Blockindustrie hier muss florieren, denn dies geschieht häufig, ja eigentlich immer). Die logische Folgerung für Integrationswillige, einen Block kaufen und immer sofort den Namen notieren (nur leider verstehe ich den selten bis nie).
Freitag, 30. Januar 2009
Bilanz
Vier ganze Saisons ist die Marigold bereits als Managerin bei den Goldjungen tätig. In dieser Zeit konnte sie mit ihnen den Aufstieg in die 8. Liga feiern, in der sich die Mannschaft nun bereits zwei Saisons solide gehalten hat. Nach einem kleinen Formtief und Verletzungspech gegen Ende der letzten Saison strotzt das junge Team nun mit neuer Motivation und neuem Ehrgeiz. Die Fans strömen in Scharen an die Heimspiele, so dass das Stadion beinahe aus allen Nähten platzte und daher bereits ausgebaut werden mussten.
Zwar schreibt der Verein keine roten Zahlen, dennoch zeigt sich die Unerfahrenheit der Managerin bezüglich Finanzen im eher bescheidenen Kontostand. Daher gilt, dass zwar Geld die Welt regiert, aber bei den Goldjungen im Moment noch die Marigold.
Im den Sinne bleibt zu sagen: Auf zu neuen Taten ihr goldigen Jungs, lasst euch nicht einschüchtern von den Mächtigen und Reichen der Welt. Zeigt eure Muckis und lasst die strammen Waden sprechen.
Zwar schreibt der Verein keine roten Zahlen, dennoch zeigt sich die Unerfahrenheit der Managerin bezüglich Finanzen im eher bescheidenen Kontostand. Daher gilt, dass zwar Geld die Welt regiert, aber bei den Goldjungen im Moment noch die Marigold.
Im den Sinne bleibt zu sagen: Auf zu neuen Taten ihr goldigen Jungs, lasst euch nicht einschüchtern von den Mächtigen und Reichen der Welt. Zeigt eure Muckis und lasst die strammen Waden sprechen.
Montag, 26. Januar 2009
Rückspiegel

An diesem Wochenende war ich in Deutschland, an einem Nachtreffen der Kurzzeitmitarbeiter bei LiL. Es war sehr spannend, all die Leute nach rund drei Jahren wieder zu sehen. In Costa Rica waren wir wie eine Familie. Haben zusammen gewohnt, gelebt, sind reisen gegangen, haben Weihnachten gefeiert und zusammen gearbeitet.
Heute gehen alle ihren Weg, leben in ihren Welten, haben ihre Freunde, ihr Leben. Und das ist gut so.
Man ist sich fremd geworden, in diesen letzten Jahren, und dennoch bleibt da Irgendetwas, eine gewisse Verbundenheit, zur gleichen Zeit am selben Ort gewesen zu sein, die selben Annektoten miterlebt oder Probleme geteilt zu haben, eine Zeit unseres Lebens gemeinam verbracht und geteilt zu haben.
Und ich bin gespannt, was noch kommen wird, in meinem Leben.
Mittwoch, 21. Januar 2009
je suis ivorien
Sonntag, 18. Januar 2009
72 heures dans la côte d'ivoire
Hier: -Klimatisierte Schlafstube, -nette Mitbewohner, -Wireless LAN, -Ruhe und Gemütlichkeit, -blöckendes Schaf, -Afrika?
Auch Hier: -WoroWoro, -Baka, -eine Stadt im Chaos, -Müll, überall, -Strassen gesperrt nach Mitternacht, -überall Militär, -der Krieg ist noch da, -Schmiergelder -auf der Suche nach der Afrika Hüfte in Jopougon, -Flag, -Atzeke, -le vendredi a abidjan, c'est le jour de marriage, -wo darf man nicht alleine hin?
Auch Hier: -WoroWoro, -Baka, -eine Stadt im Chaos, -Müll, überall, -Strassen gesperrt nach Mitternacht, -überall Militär, -der Krieg ist noch da, -Schmiergelder -auf der Suche nach der Afrika Hüfte in Jopougon, -Flag, -Atzeke, -le vendredi a abidjan, c'est le jour de marriage, -wo darf man nicht alleine hin?
Samstag, 17. Januar 2009
Vielleicht, so dachte er, ist dies alles nichts weiter als ein Theaterstück. Ein langes insziniertes Schauspiel in hundert Akten, mit einem schönen, bunten Bühnenbild, mit einigen Schauspielern, die in jenem Akt auftauchen, zurücktreten, und einige Akte später wiederum auf die Bühne schreiten, um ihren Part zu spielen. Und er, auch er gehört zu ihnen, ist Teil des Prozesses, wartet hinter der Bühne auf seinen Einsatz, tritt hervor, gibt sich seiner Rolle hin, spricht, singt, tanzt und zelebriert jenes, was er sein soll, zu sein glaubt vielleicht, sein will - oder sein muss. Unaufhörlich ergibt sich aus diesem Akt der nächste, entspringt aus jener Handlung eine Fortsetzung dessen, was war, was ist und sein soll.
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Zweihundertfünfunzwanzig Wolken zählt er am Himmel. Weisse, graue, weissgraue, langgezogene, kurze, geflochtene, getupfte oder flache - und irgendwo dazwischen die Sonne, die gelblich-weiss dasteht und - ungeahnt ihrer eigenen Bedeutung - still und schweigend leuchtet, jeden Tag aufs Neue. Mit der fünfunzwanzigsten Wolke formt er zwei Kaninchenohren und platziert sie am nordwestlichen Horizont des Kirchturms. Den zwei Spaziergängern in der Nähe schenkt er eine Brise Westwind. Es ist Mittag. Die Stille liegt über den Feldern. Als sich die Sonne abends in eine rot-goldene Himmelsmünze verwandelt, kann er sie endlich ansehen, ohne blind zu werden. Ein weiterer Tag ist zu Ende gegangen.
---------
Als er sich hinlegte und einschlief fühlte er für wenige Augenblicke diese ungewöhnliche Leichtigkeit, die er sonst nur aus grossen Büchern kannte. Nein, es war kein Traum. Es war die ungewöhnliche Idee, dass die Welt nicht viel mehr sei als ein winzig kleiner Ton in einem ewigen Stück Wundermusik.
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Zweihundertfünfunzwanzig Wolken zählt er am Himmel. Weisse, graue, weissgraue, langgezogene, kurze, geflochtene, getupfte oder flache - und irgendwo dazwischen die Sonne, die gelblich-weiss dasteht und - ungeahnt ihrer eigenen Bedeutung - still und schweigend leuchtet, jeden Tag aufs Neue. Mit der fünfunzwanzigsten Wolke formt er zwei Kaninchenohren und platziert sie am nordwestlichen Horizont des Kirchturms. Den zwei Spaziergängern in der Nähe schenkt er eine Brise Westwind. Es ist Mittag. Die Stille liegt über den Feldern. Als sich die Sonne abends in eine rot-goldene Himmelsmünze verwandelt, kann er sie endlich ansehen, ohne blind zu werden. Ein weiterer Tag ist zu Ende gegangen.
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Als er sich hinlegte und einschlief fühlte er für wenige Augenblicke diese ungewöhnliche Leichtigkeit, die er sonst nur aus grossen Büchern kannte. Nein, es war kein Traum. Es war die ungewöhnliche Idee, dass die Welt nicht viel mehr sei als ein winzig kleiner Ton in einem ewigen Stück Wundermusik.
Montag, 12. Januar 2009
Sucht mich mein Glück am falschen Ort?
Mi Schatte isch scho vor langer Ziit gange, es git nüm grad viu wo mi hie no bhautet. Dr Zitpunkt zum ga isch cho, i ga.
es lohnt sech nid uf irgendöpis ds warte, ussert vilech no uf eim säuber.
Dr Bös isch no jedesmau pünktlech gfahre, weme ke fahrplan het.
Dr letscht Ton isch usklunge, d'Cherze abebrönnt, d'Fläsche läär, u du bisch o nüm da, i ga.
es lohnt sech nid uf irgendöper ds warte, ussert vilech no uf eim säuber.
Dr Bös isch no jedesmau pünktlech gfahre, weme ke fahrplan het.
Nidemau dr Bäsewage vom Glück chunt hie no verbi, da cha dr Kuno no so lang singe, i gloubenim nüt, i ga.
es lohnt sech nid uf irgendöpis ds warte, ussert vilech no uf eim säuber.
Dr Bös isch no jedesmau pünktlech gfahre, weme ke fahrplan het.
Frag mi nid, weni achume, mi Wäg isch uf kere Charte. Nume ds Ziu zeut, u das isch wiit wiit wäg, i ga.
es lohnt sech nid uf irgendeinisch ds warte, gang doch o, mir träffe üs de scho.
Ferdinand Gerhard beantwortet Fragen von Fischli und Weiss. Diesmal mit Widmung an Kathrin und BabAziz.
es lohnt sech nid uf irgendöpis ds warte, ussert vilech no uf eim säuber.
Dr Bös isch no jedesmau pünktlech gfahre, weme ke fahrplan het.
Dr letscht Ton isch usklunge, d'Cherze abebrönnt, d'Fläsche läär, u du bisch o nüm da, i ga.
es lohnt sech nid uf irgendöper ds warte, ussert vilech no uf eim säuber.
Dr Bös isch no jedesmau pünktlech gfahre, weme ke fahrplan het.
Nidemau dr Bäsewage vom Glück chunt hie no verbi, da cha dr Kuno no so lang singe, i gloubenim nüt, i ga.
es lohnt sech nid uf irgendöpis ds warte, ussert vilech no uf eim säuber.
Dr Bös isch no jedesmau pünktlech gfahre, weme ke fahrplan het.
Frag mi nid, weni achume, mi Wäg isch uf kere Charte. Nume ds Ziu zeut, u das isch wiit wiit wäg, i ga.
es lohnt sech nid uf irgendeinisch ds warte, gang doch o, mir träffe üs de scho.
Ferdinand Gerhard beantwortet Fragen von Fischli und Weiss. Diesmal mit Widmung an Kathrin und BabAziz.
Samstag, 10. Januar 2009
Was man wissen muss I
Bevölkerungsreischte Staaten der Welt (in Einwohnern):
1. China - 1'350'000'000
2. Indien - 1'100'000'000
3. USA - 300'000'000
4. Indonesien - 220'000'000
5. Brasilien - 185'000'000
6. Pakistan - 160'000'000
7. Bangladesh - 150'000'000
8. Russland - 145'000'000
9. Nigeria - 130'000'000
10. Japan - 130'000'000
Ausserdem über 100 Mio. Einwohner hat nur noch Mexiko. Die wären dann elfte. Deutschland folgt als erstes europäisches Land mit 83 Mio. auf Platz 14. Die gesamte EU kommt auf 495 Mio. Einwohner.
Quelle: UNSTAT 2005
1. China - 1'350'000'000
2. Indien - 1'100'000'000
3. USA - 300'000'000
4. Indonesien - 220'000'000
5. Brasilien - 185'000'000
6. Pakistan - 160'000'000
7. Bangladesh - 150'000'000
8. Russland - 145'000'000
9. Nigeria - 130'000'000
10. Japan - 130'000'000
Ausserdem über 100 Mio. Einwohner hat nur noch Mexiko. Die wären dann elfte. Deutschland folgt als erstes europäisches Land mit 83 Mio. auf Platz 14. Die gesamte EU kommt auf 495 Mio. Einwohner.
Quelle: UNSTAT 2005
Freitag, 9. Januar 2009
fänschterplatz
i sött schaffe u lerä, es stö no drü prüefige und zwöi arbeite vor der tür. i ha mi wieder ads französisch gwöhnt und ha nidemau me bsungers respäkt vor dr haubstündige mündlechprüefig, obwou natürlech no immer e gwüssi möglechkeit besteit, dassi mi zmingscht phasewiis rächt wirde blamiere.
komisch, dassi mer so hüfig drüber gedanke mache, wieni später, villech imene jahr oder zwöi, drü, mau über dä moment und die zyt hie wirde nachedänke. s'isch fasch so, aus wetimer oder müesstimer dr wärt vo mim jetzt immer und immer wieder versichere, aus müessti aus immer imene persönleche historische und grössere zämehang gseh. ds unbedingte glück isch e schwierige lehrgang, eine, wo umso schwieriger wird, je meh me drüber nachedänkt. dr mönch in thailand het immer vom "monkey brain" gredt, wo umegumpet und nie zur rueh chunnt, wo sech nid cha und nid wott fokussiere und schliesslech im chaos vo trieb und hedonistische zwäng versinkt. er het mer gseit, me müessi das ungerdrücke. hüt gloubi eher ads gägeteil, ad verwürklechig vo denä bedürfnis, ads persönleche us- und erläbe i aune facette, egau wie schreg, bizarr und jensits dr norm das ma usgseh.
so, i mache mi hinger d'arbeit. es geit z'erscht umne kurs wo "contacts de cultures" heisst und sech mit sache wie vorurteil, stereotype usw. befasst (da steit aus bispiu öppe, dass schwyzer schlächti liebhaber si, aber guet chöi organisiere...), när muessi mi ändlech chli intensiver mit mire arbeit übere "europöisch sonderfall schwyz" befasse, es spannends und herusfordernds thema (Dürrenmatt: "Ich glaube, ein Kleinstaat ist ein viel glücklicheres Unternehmen als ein Großstaat. Großstaaten sind Pulverfabriken, in denen das Rauchen erlaubt ist. Die Schweiz ist eine ganz kleine Pulverfabrik, in der außerdem das Rauchen sehr streng reglementiert ist"), eim, wome zmingscht aus schwyzer irgendwie fasch nid cha grächt wärde, wöus ja i däm zämehang aus persönlech involvierte immer wird schwierig bliibe, objektiv z'bewärte und us dr distanz z'beschribe.
auso, adieu, e schöne, hoffentlech ou bi euch sunnige tag.
Samstag, 3. Januar 2009
Ich freue mich auf die Côte d'Ivoire. Wenn ich die (neueste ausgezeichnete) CD von Amadou et Mariam höre kribelt es. Das erste Mal werde ich nach Afrika fliegen. Dass ich da nicht "bloss" als Tourist sein werde, sondern eine Aufgabe zu erledigen habe, freut mich noch mehr.
Ich freue mich, den Bachelor abzuschliessen und ein Zwischenjahr, losgelöst von universitärem Alltag, einzulegen. Anständig Arbeiten. Reisen.
Ich freue mich die Zukunft in Angriff zu nehmen (oder wie Patti Smith sagte: ""I don't fuck much with the past, but I fuck plenty with the future."
Ich freue mich, den Riesenstapel Bücher neben meinem Bett zu lesen. Was da wohl alles drinsteht?
Ich freue mich morgen Abend um 18.10 Uhr meinen ehemaligen Mitbewohner in der grandiosen Sendung "Tag und Nacht" zu sehen.
Ich freue mich nicht über den nahen Osten, Somalia, Simbabwe und die allzu vielen anderen Brandherde.
Ich freue micht nicht über den Klimawandel; Der ist Realität. Und ich werde ihm ordentlich einheizen dieses Jahr. Und ich werde noch einige Gewissenskonflikte auszutragen haben.
Ich freue mich nicht über das Schatzchäschtli und ähnliche Instrumente des Grosse-Liebe-Zwang.
Ich freue mich, den Bachelor abzuschliessen und ein Zwischenjahr, losgelöst von universitärem Alltag, einzulegen. Anständig Arbeiten. Reisen.
Ich freue mich die Zukunft in Angriff zu nehmen (oder wie Patti Smith sagte: ""I don't fuck much with the past, but I fuck plenty with the future."
Ich freue mich, den Riesenstapel Bücher neben meinem Bett zu lesen. Was da wohl alles drinsteht?
Ich freue mich morgen Abend um 18.10 Uhr meinen ehemaligen Mitbewohner in der grandiosen Sendung "Tag und Nacht" zu sehen.
Ich freue mich nicht über den nahen Osten, Somalia, Simbabwe und die allzu vielen anderen Brandherde.
Ich freue micht nicht über den Klimawandel; Der ist Realität. Und ich werde ihm ordentlich einheizen dieses Jahr. Und ich werde noch einige Gewissenskonflikte auszutragen haben.
Ich freue mich nicht über das Schatzchäschtli und ähnliche Instrumente des Grosse-Liebe-Zwang.
Freitag, 2. Januar 2009
Mittwoch, 31. Dezember 2008
Statistik
Zum Jahresende ein klein wenig Statistik:
Beiträge im Jar 2008: 126
Besucher im Jahr 2008: Viele
Nervigster Besucher: Dr. Nörgeler
Top Suchwort: Christian Walliker, unddachs
Von Autoren bereiste Destinationen: Mali, Burkina Faso, Marokko, Frankreich, Guatemala, Nicaragua, Honduras, Costa Rica, Panama, Belgien, Luxemburg, Niederlande, Deutschland, Finnland, Schweden, Italien.
Veranstalte Wahlen: 2
Gewählte Organe: Der Bundesrat und der amerikanische Präsident
Abgeschlossene Doktorarbeiten: 0
Veröffentlichte CD's: 1
Gezeugte Kinder: wahrscheinlich 0
Wir hoffen Sie auch im nächsten Jahr wieder als Leser begrüssen zu dürfen. Wir haben ein interessantes Programm zusammengestellt mit Berichten vom Austauschsemster Ogangas in Uganda, der Bachelorarbeit Gerhards in der Cote d'Ivoire, dem Erreichen des Bacheloarabschlusses verschiedener Exponenten, der unddachs Hymnen vol.IV ausserdem Kommentare zum Double von YB, zum Aufstieg von Andy Brechbühl mit seinem Atletcio Patchanka, zum Rücktritt von Couchepin vom Bundesrat und der Wahl Ruth Metzlers in den Bundesrat, zum Abschluss der WTO-Verhandlungen, zur Hochzeit von Bianca Gubser mit Thomas Hirschhorn, zur Rettungs des Bundes durch den Blick am Abend, zum Verschwinden von .ch, zum Ableben von Facebook wegen Datenschutz Problemen, zur Geburt eines Elefantenbabys im Zoo von Köln und viele mehr!
Beiträge im Jar 2008: 126
Besucher im Jahr 2008: Viele
Nervigster Besucher: Dr. Nörgeler
Top Suchwort: Christian Walliker, unddachs
Von Autoren bereiste Destinationen: Mali, Burkina Faso, Marokko, Frankreich, Guatemala, Nicaragua, Honduras, Costa Rica, Panama, Belgien, Luxemburg, Niederlande, Deutschland, Finnland, Schweden, Italien.
Veranstalte Wahlen: 2
Gewählte Organe: Der Bundesrat und der amerikanische Präsident
Abgeschlossene Doktorarbeiten: 0
Veröffentlichte CD's: 1
Gezeugte Kinder: wahrscheinlich 0
Wir hoffen Sie auch im nächsten Jahr wieder als Leser begrüssen zu dürfen. Wir haben ein interessantes Programm zusammengestellt mit Berichten vom Austauschsemster Ogangas in Uganda, der Bachelorarbeit Gerhards in der Cote d'Ivoire, dem Erreichen des Bacheloarabschlusses verschiedener Exponenten, der unddachs Hymnen vol.IV ausserdem Kommentare zum Double von YB, zum Aufstieg von Andy Brechbühl mit seinem Atletcio Patchanka, zum Rücktritt von Couchepin vom Bundesrat und der Wahl Ruth Metzlers in den Bundesrat, zum Abschluss der WTO-Verhandlungen, zur Hochzeit von Bianca Gubser mit Thomas Hirschhorn, zur Rettungs des Bundes durch den Blick am Abend, zum Verschwinden von .ch, zum Ableben von Facebook wegen Datenschutz Problemen, zur Geburt eines Elefantenbabys im Zoo von Köln und viele mehr!
Sonntag, 28. Dezember 2008
Mein 2008 (II)
Neujahr im traumhaften Emmental/Lernen bis zum Umfallen und das erste Mal ein Blackout während einer Prüfung/ Dank Mathematik trotzdem durchgewurtschtelt/ Besuch aus Uruguay/ Das 4.Semester und der eigentliche Beginn des Agronomiestudiums/ Wiedersehen mit Sarah/ Langlaufen im Engadin/ Freeriden in Grindelwald/ Wiedersehen mit dem Meer in Frankreich und gefühlte Freiheit bei Sonnenuntergang, Bier und Moby/Nahrungsmittelkrise und meine Studieninhalte sind in aller Munde/ YB wird fast Meister/ Trennung/ eine neue Arbeit als Hilfsassistent/ eine EM mit Grossleinwand zu Hause, entsprechend viel Besuch, orangen Nächten in Bern/ kleine Ernüchterungen in Brienz/ das letzte Mal ernsthaft Lernen für Sessionsprüfungen/ zwei neue Mitbewohnerinnen/ Milchpreis-Studie für die Migros/ Abstürzen im Val Lumnezia/ Wandern in Lappland, nicht zum letzten Mal/ Ich spreche kein Finnisch/ Wiedersehen mit Saara (ohne h)/ - / das lockere 5.Semester ist gar nicht so locker/ Viel Arbeiten/ Viele Pläne schmieden für das Zwischenjahr/ Brüssel; wie früher/ Bachelorarbeit in der Elfenbeinküsten wird Realität und damit einiges an Arbeit/ es ist nicht sauberer geworden mit den Mitbewohnerinnen/ Symposien sind für Selbstdarsteller/ Simon kommt zurück/ Fabian kommt zurück/ Alte Liebe rostet nicht// 2008 ist auch Boys on Pills, Beach House, The Notwist, Husky Rescue, Züri West, Kings of Leon, Sophie Hunger. Paul Collier (The bottom billion), Tim Krohn (Quartemberkinder und Vrenelis Gärtli), John Fitzgerald (The great gatsby), Peter Stamm (immer wieder), Haruki Murakami (Naokos Lächeln)//
Freitag, 26. Dezember 2008
Mein 2008
Ahorn-Ferien / Bamako-Blues / Ségou / eine Niger-Odyssee nach Timbuktu / Vitamin B-Komplex / Meilleure Santé / Pak / Esel statt Kamel / Guides, immer und überall / Casablanca / Kommunitarismus, afrikanische Fussballsoziologie, Nation-Building im Kongo und 47 ECTS-Punkte / das obligate Bier mit No / Tenero-Trainingslager / Autoprüfung / ein Osterausflug in die Camargue / Fussball jenseits der (persönlichen) Idealform, baldiger Abschied vom Froni / WTO-Besuch / Tennis im Irchel / Angst und Schrecken während der viel zu frühen Mancun-Wanderung / eine EM im eigenen Land / Wegzug Rebhüsliweg / ATD Quart Monde / Politique sociale de la Suisse / Chantier – Jugendlager / Ping-Pong / mühselige Wiederbelebung der Französischkenntnisse / Wanderung mit anschliessendem Bad im Lac de Gruyère / Aufbruch mit Moni und Knorrli / Köln –Aachen – Bxl – Brügge – Holland – Bxl / ein schwieriger Abschied / die Herausforderung des Unbekannten / Frontalunterricht / Joan – ein angenehmer colocataire / Besuch von Tanja, Brächi, Nils / Démocratie participative / langsam aufkommende Freude am Erasmus-Erlebnis / gewonnene Freundschaften, aus aller Welt / français courant – plus ou moins… / ULB und der gewonnene weitere akademische Horizont / Campus de la Plaine / Le Corbeau / Chimay Bleue / Obama - Yes, we can! / Fondueabend für 5 Nationalitäten / eine unfreiwillig lange Nacht in Amsterdam / unbeschwerte Spazierlaune mit Bernhard und Ma /Admission Letter aus Kampala / Rückkehr in die schneeweisse, bergige, saubere und kalte Schweiz / wachsende Vorfreude auf Uganda / Wertschätzung der stabilen Werte in einem sprunghaften Leben / omnipräsente Zukunftsvisionen / aber auch Freude am Heute, am sonnigen Tag, der allem ein goldenes Gewand verleiht.
2006 / 2007
Mittwoch, 24. Dezember 2008
Jahresrückblick
Vor ziemlich genau einem Jahr geschrieben:
Die Vorlesung ist zu Ende. Der Notizblock ist voll. Mein Kopf leer. Alle verlassen den Saal. Ich bleibe sitzen. Heute ist etwas anders als sonst. Etwas regt sich. Es fühlt sich an, als erwache ich zögernd aus einem bleiernen Schlaf. Als hätte jemand das Licht angemacht. Wo bin ich? Wie bin ich hierher gekommen? Was ist geschehen?
(Wie lange habe ich geschlafen?)
Als hätte ich mich seit Jahren in keinem Spiegel mehr betrachtet, schrecke ich beim Anblick zurück. Das bin ich nicht. Das will ich nicht sein. Das kann ich nicht sein. Und ich bin es doch. Was ist geschehen?
Die Wahrheit ist schmerzhaft und erbarmungslos. Wie immer. Das ist ihre Aufgabe. Und heute halte ich ihr beide Wangen hin. Schlag mich, ich habe es verdient!
Irgendwo zwischen schweizerischen Zukunftsängsten und elterlichem Drängen habe ich meine Träume verraten. Doch meinem Umfeld die Schuld zu geben, reicht nicht mehr aus, um den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Das wäre allzu bequem. So leicht kann ich mir nicht entkommen. Nicht heute. Feigling, du bist umzingelt! Selbsttäuschung ist keine Cleverness sondern ein Bumerang. Und er findet mich überall. Früher oder später. Kein Weg führt an den Schlussfolgerungen des Lebens vorbei und es existiert keine Nebenstrasse für Schmerzempfindliche.
Ich gestehe. Ich bin ein schwacher Mensch. Einmal mehr habe ich den Weg des geringsten Widerstands gewählt. Auf Kosten meiner selbst. Die Schuld wiegt schwer. Und gäbe es ein Gericht für Verbrechen an den eigenen Träumen, so verdiente ich die Höchststrafe. Lebenslange Reue.
Doch das Leben hat Erbarmen mit einsichtigen Dummköpfen wie mir. Ich werde auf Bewährung entlassen.
Es ist noch nicht zu spät. Die Vorkurs-Prüfungsaufgaben warten.
Ich habe zuviel zu sagen
um nur zuzuhören
zuviel niederzuschreiben
um nur zu lesen
zuviel Sehnsucht
um genügsam zu sein
Die Vorlesung ist zu Ende. Der Notizblock ist voll. Mein Kopf leer. Alle verlassen den Saal. Ich bleibe sitzen. Heute ist etwas anders als sonst. Etwas regt sich. Es fühlt sich an, als erwache ich zögernd aus einem bleiernen Schlaf. Als hätte jemand das Licht angemacht. Wo bin ich? Wie bin ich hierher gekommen? Was ist geschehen?
(Wie lange habe ich geschlafen?)
Als hätte ich mich seit Jahren in keinem Spiegel mehr betrachtet, schrecke ich beim Anblick zurück. Das bin ich nicht. Das will ich nicht sein. Das kann ich nicht sein. Und ich bin es doch. Was ist geschehen?
Die Wahrheit ist schmerzhaft und erbarmungslos. Wie immer. Das ist ihre Aufgabe. Und heute halte ich ihr beide Wangen hin. Schlag mich, ich habe es verdient!
Irgendwo zwischen schweizerischen Zukunftsängsten und elterlichem Drängen habe ich meine Träume verraten. Doch meinem Umfeld die Schuld zu geben, reicht nicht mehr aus, um den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Das wäre allzu bequem. So leicht kann ich mir nicht entkommen. Nicht heute. Feigling, du bist umzingelt! Selbsttäuschung ist keine Cleverness sondern ein Bumerang. Und er findet mich überall. Früher oder später. Kein Weg führt an den Schlussfolgerungen des Lebens vorbei und es existiert keine Nebenstrasse für Schmerzempfindliche.
Ich gestehe. Ich bin ein schwacher Mensch. Einmal mehr habe ich den Weg des geringsten Widerstands gewählt. Auf Kosten meiner selbst. Die Schuld wiegt schwer. Und gäbe es ein Gericht für Verbrechen an den eigenen Träumen, so verdiente ich die Höchststrafe. Lebenslange Reue.
Doch das Leben hat Erbarmen mit einsichtigen Dummköpfen wie mir. Ich werde auf Bewährung entlassen.
Es ist noch nicht zu spät. Die Vorkurs-Prüfungsaufgaben warten.
Ich habe zuviel zu sagen
um nur zuzuhören
zuviel niederzuschreiben
um nur zu lesen
zuviel Sehnsucht
um genügsam zu sein
zuviel Leben
um stillzusitzen
Zu viele Träume
um realistisch zu sein
um stillzusitzen
Zu viele Träume
um realistisch zu sein
zuviel Gegenwart
um an die Zukunft zu denken
zuviel Leidenschaft
um vernünftig zu sein
um an die Zukunft zu denken
zuviel Leidenschaft
um vernünftig zu sein
Schön auf ein Jahr zurückzublicken, in dem man die richtigen Entscheidungen getroffen hat.
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